Theatertage am See - Festival des internationalen Amateurtheaters
Kontakt Das Festival Kurs- und Theaterprogramm Theaterpädagogische Ausbildung Impressionen vom Festival Ausschreibung der kommenden Theatertage
Gästebuch
Impressum
Förderer

mundART

Sprachen der Bühne

27. Theatertage am See vom 4. bis 10. April 2011

Spricht man von Amateurtheater, denkt man weitverbreitet an Mundarttheater.  Dabei ist Mundart nicht nur im Amateurtheater Bühnensprache. Hauptmann, Horvath, Kusz sind nur einige Namen, deren Mundartstücke  einen festen Platz in der deutschsprachigen Theatergeschichte einnehmen und die zwar auch im Amateurtheater, aber nicht nur dort, oft gespielt werden. Gutes Volkstheater findet seine Geschichten an einem konkreten Ort, dazu gehört dann zwingend auch der Dialekt als deutlichster Ausdruck seines Regionalbezuges. Gehen Inhalt und  Sprache eine gelingende Verbindung ein, wird Mundart zur Kunstform.

Umgekehrt spielen viele  Schul- Jugend- und Amateurtheater ihre Stücke in sogenannter Hochsprache, doch nicht selten stören wir uns an der ungewollt dialektgefärbten Sprache auf der Bühne. Im schlimmsten Fall kippt deswegen eine Aufführung, weil die Figuren an Glaubwürdigkeit verlieren? Wie man Dialektfärbung und Dialekt stimmig ins Spiel integrieren kann machen uns die Alpenländer selbstbewusst vor.

Sprache und damit auch Bühnensprache ist jedoch weit aus mehr als das gesprochene Wort.  Die Art und Weise wie jemand spricht, wie schnell, wie langsam, wie laut, wie leise, wie deutlich oder wie undeutlich, die Emotionalität, die individuelle Lautgestaltung und Klangfarbe sind hörbarer Ausdruck der Einzigartigkeit jedes Menschen. Dazu gehört auf der Bühne und im wirklichen Leben ganz besonders seine Körpersprache. Unzählige Untersuchungen belegen, dass die Art und Weise, wie sich jemand bewegt, seine Mimik und Gestik eine weitaus größere Wirkmächtigkeit haben als das gesprochene Wort. Einprägsame Bilder- und stimmige Körpersprache sind Gründe, warum wir Tanztheater und Aufführungen in fremden Sprachen verstehen können auch wenn wir deren Sprache selbst nicht sprechen.

Entscheidend ist auch für das Theater, dass Kommunikation funktioniert. Auf der Bühne entsteht im Zusammenwirken  sprachlicher und nichtsprachlicher Mittel ein unmittelbares Abbild vom Leben, entstehen Bilder mit denen wir in Kommunikation treten können, als Spieler im gemeinsamen Spiel auf der Bühne und als Zuschauer, indem wir auf das, was auf der Bühne geschieht reagieren. Augusto Boal redet vom Theater als „ästhetischem Raum, der es ermöglicht, uns selbst im Handeln zu beobachten“. Zur Wahrnehmung und Deutung dieses Handelns gehört zentral die Sprache, die der Bühne und die, des Publikums. Theater ist Kommunikation als Kunst.  „Die Grenze meiner Sprache ist die Grenze meiner Welt“ sagt uns der Philosoph Wittgenstein. Gilt das auch für das Theater oder überschreitet nicht das Theater und besonders das Amateurtheater diese Grenzen der eigenen Welten? Dabei gilt auch für das Theater das Zitat von Niklas Luhmann „Alle Kommunikation ist riskant!“

Wie versprechen uns mit dem Motto mundARTSprachen der Bühne eine Erweiterung unsere Grenzen und einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung und der Bedeutung der Theatertage am See, auf alle Fälle ein spannendes Festival im Jahr 2011.