Aktuelles zur theaterpädagogischen Aus- und Fortbildung
Auch Tellerwäscher haben TräumeSamstag, 05. Juli '08
Abschlussprojekt des 7. theaterpädagogischen Ausbildungskurses
MECKENBEUREN-KEHLEN - Schon im Vorfeld hat ein Run auf die Karten für „malZEIT", die Abschlussproduktion des 7. theaterpädagogischen Ausbildungskurses, begonnen, und die Generalprobe hat wie am Schnürchen geklappt. Zusammen mit Pia Andre und Sabrina Sauter hat Jürgen Mack mit den 26 Teilnehmern eine ungewöhnliche Inszenierung geschaffen.
„Es gibt auch noch ein Leben nach dem Fußball", ruft jemand vom Küchenpersonal dem griesgrämig drein-blickenden Metzger in der Hotelküche zu, als der ihren fröhlichen Morgengruß nicht erwidert. Es ist wie am Morgen nach dem verlorenen Endspiel: Müde kommen die einen an die Arbeitsstelle, anderen merkt man an, dass Fußball nicht ihr Leben ist. Sie gähnen, helfen einander in die Arbeitskleidung. Eine Mitarbeiterin entsorgt Müll, eine andere wischt Staub. Unter dem Titel „malZEIT" hat Jürgen Mack das in den 1960er Jahren in London uraufgeführte Stück „Die Küche" des britischen Dramatikers Arnold Wesker in die heutige Zeit geholt. Dabei meint der Titel einerseits die „Mahlzeit", andererseits auch den ewig unerfüllten Wunsch, „mal Zeit" zu haben.
Die Küche eines Hauses, das in der Saison 1000 Essen ausgibt, wacht langsam auf. Die Menschen bilden einen Mikrokosmos - ein Abbild der großen Welt draußen. Hier wird geflirtet und gestritten, es gibt Eifersucht und Rangkämpfe. Mittendrin sitzen die 100 Zuschauer, von quirligem Leben umgeben. Wie immer wird im Foyer und Treppenhaus gespielt. Vor uns liegen die Herde, rechts wird frittiert, werden Desserts zubereitet, links zerlegt der hauseigene Metzger halbe Schweine, darüber arbeiten zwei Frauen. Von oben kommt gelegentlich die Chefin, eine eiskalte Geschäftsfrau. Man vergisst schnell, dass hier Laien spielen, so engagiert sind alle bei der Sache und ständig präsent.
Wohin man auch sieht, hier tut jeder etwas und zwar dauernd. Außer erstarren alle in der Bewegung und der Spot fokussiert auf eine kleine Szene, etwa auf den eifersüchtigen Koch, der auch mal einen Topf zu Boden krachen lässt. Zwischendrin kippt das Geschehen ins Irreale. Stimmig Choreographien von Pia Andre, bewegen sich die Spieler, das ganze Haus ist Bühne. Wer nicht tanzt, der klopft, lauter und lauter - „Stomp" lässt grüßen. Bedrohliches liegt in der Luft.
Des Lebens ganze Fülle und Vielfalt wird sichtbar und hörbar. Spannend bleibt es bis zum Schluss. Großartig, was Jürgen Mack aus der Vorlage gemacht hat, die ein Profitheater kaum spielen kann, weil so viele Rollen zu teuer wären.
Weitere Aufführungen sind am 4., 5., 8., 10., 11. und 12. Juli, jeweils um 20 Uhr. Kartenreservierung unter Telefon 0 75 42/40 98 30.








