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Castingwahn und MädchenträumeFreitag, 14. März '08

Kategorie: 2008, Theaterprogramm

Von: Kai Klicker, Südkurier

Man sieht es: Der Konkurrentin gönnt man nichts! Bild: Rüdiger Schall

"Creeps", also zu Deutsch in etwa "Schleimer - so heißt das 2000 uraufgeführte Jugendstück von Lutz Hübner, das die Schauspiel-AG des Richard-von-Weizsäcker-Gymnasiums Baiersbronn gestern bei den Theatertagen aufführte.

Julia Beilsar, Simone Muth und Chantal Quaschinski sind die drei Protagonisten des Stücks. Die Schülerinnen führten das Stück Anfang Februar das erste Mal auf. Die Realsatire, zwischen Castingwahn und platzenden Mädchenträumen spielt dabei mit allen Klischees. Die drei völlig unterschiedlichen Charaktere wurden alle nach Hamburg eingeladen - und kamen alle in dem Glauben, die Position bereits inne zu haben. In Hamburg angekommen, dann die traurige Realität: Sie müssen sich in einem Wettstreit gegeneinander behaupten. Gesteuert durch drei Regisseure, die im Hintergrund agieren und die man auch nie sieht, entwickelt sich ein Spannungsbogen, der die Figuren an den Rand der psychischen Existenz bringt. Die divenhafte Lilly, glaubhaft dargestellt von Julia Beilsar, die etwas burschikose Ostdeutsche, die mit ihrem normalen Leben eigentlich sehr zufrieden ist: Petra, gespielt von Chantal Quaschinski und die leicht esoterisch angehauchte Tochter einer alleinerziehenden Mutter, Simone Muth, lassen alle nacheinander die Hüllen fallen und präsentieren sich und dem Publikum ihre Erwartungsängste und Hoffnungen. Denn alle sind getrieben.

Dass das Stück dabei manchmal recht holprig inszeniert und die eine oder andere Passage etwas zu laut vorgetragen wird, tut dem brisanten Thema von geplatzten Träumen und Medienprostitution keinen Abbruch. Der Produktionstrailer von "Creeps" bringt den Anspruch der Castingszene auf den Punkt: "Komm zu uns! Wir holen Dich da raus!"

Woraus, das beantwortet jedes der Mädchen selbst. Die eine will Anerkennung, die andere aus ihrem tristen Dasein fliehen und Petra aus Chemnitz hat Angst vorm Familienidyll. Klischees werden also bedient und Protest wird durch ein gemeinsam intoniertes "Drei Chinesen mit dem Kontrabass" kundgetan. Am Schluss stellt sich heraus, dass alle drei für die Rolle nie vorhergesehen waren. 2500 Euro und eine ausgedehnte Shopping-Tour machen dieser Fehler aber wieder wett. Juror Ruedi Wittmann: "Starkes Thema. Der Versuch der Darstellung ist sehr lobenswert. Manchmal hat zwar der Rhythmus gefehlt, aber die drei gaben ihr Bestes." Das sahen die rund achtzig jungen Zuschauer ebenso und applaudierten dem Team sichtlich begeistert.