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Referendare bekommen Gefühl für RhythmikDonnerstag, 05. April '07

Kategorie: Kursprogramm, 2007

Von: Schwäbische Zeitung, wie

MECKENBEUREN (wie) Bereits zum sechsten Mal läuft am staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Kehlen der theaterpädagogische Kurs. Die Referendare erleben einen außerordentlichen Workshop mit den außergewöhnlichen Komponisten Lászlo und Bánk Sáry aus Ungarn - und sie sind begeistert.

Lászlo Sáry (rechts) und sein Sohn Bánk begeistern die jungen Lehrer in Kehle. Der Ungar ist musikalischer Direktor des Theaters in Budapest, unterrichtet an Universitäten und gibt internationale Kurse in Japan, Frankreich, Italien, Belgien, Portugal und Estland. Bild:Helga Wiechert

Im Rund saßen die Referendare und Referendarinnen am Dienstagabend auf ihren Stühlen im Bürgersaal im Dorfgemeinschaftshaus und strahlten übers ganze Gesicht. Die Spannung auf das, was da nun kommen mochte, war ihnen deutlich anzumerken. Es war das große Finale zum Workshop mit den ungarischen Komponisten Lászlo und Bánk Sáry und den Übungen zum kreativen Musizieren.

Der Workshop war Basisarbeit für den Chor eines antiken Dramas, der als szenisches Mittel eingesetzt werden soll bei den Theatertagen in Kehlen. Groß prangten Selbstlaute auf dem Plakat ganz vorne, und jeder in der Runde wusste Bescheid beim Startzeichen von Bánk Sary, was er zu tun, zu singen oder zu spielen hatte. Die Buchstaben wurden zum Chorgesang, und die Referendare waren in der Musik vereint. Genau dies wollten die Komponisten Sáry mit ihrer Lehre erreichen. Sie wollen Verständnis schaffen für alle Musikgenerationen und alle Varianten der Musik. Ihr Programm wurde ins Initiativprojekt "Bipolar" der Kulturstiftung des Bundes aufgenommen. Es wird damit in fünf Städten vorgestellt - in Cottbus, Saarbrücken, Essen, Friedrichshafen und Meckenbeuren. "That's great" ("Das ist groß"), kam das Lob vom Meister.

"Musik wird meistens gerne gehört, wenn darin die klassisch-romantische Klangwelt mühelos zu erkennen ist", beschreiben Vater Lászlo und Sohn Bánk Sary ihre Methode. Sie wollen Verständnis schaffen für andere Weisen. Wie man sah, gelingt dies hervorragend. Die Referendare konzentrieren sich auf die Vorgaben, singen denselben Ton in verschiedener Stärke, mal kurz, mal lang, oder ersetzen ihn durch Instrumente, durch Silben oder Pausen. Mitten unter ihnen sitzen die Musiker aus Ungarn und gestalten aktiv mit. Menschen aller Altersklassen und mit verschiedenster oder keiner musikalischen Vorbildung bietet die Lehre der Sárys flexible Einstiegsmöglichkeiten. Die Selbstwahrnehmung wird gestärkt, und Hemmschwellen werden abgebaut.

"Ich hatte noch nie ein Gefühl für Rhythmik", kommt es begeistert aus der Runde. "Nun merke ich, dass doch was da ist". Instrumentales Können und Notenlesen sind nicht Voraussetzung, um an Musikproben- und -rezeptionen teilzunehmen, machten die Komponisten deutlich. Der Teilnehmer wird kreativ in die Produktion mit eingebunden. "Musik ist Freude und eine internationale Sprache," fasste Vater Lászlo Sary am Ende der Stunde zusammen. "Welches Stück bei den Theatertagen zur Aufführung kommen wird, wissen wir noch nicht", erklärte Jürgen Mack, der Leiter der Theaterausbildung. "Dieser Workshop war die chorische Basisarbeit dafür und dank dieser hervorragenden Musiker ein wunderbares Erlebnis

Lehrgang dauert 620 Stunden

Die Theaterpädagogik ist ein Profilbereich im Aus- und Fortbildungsangebot des Lehrerseminars in Kehlen und des Fördervereins Theatertage am See Friedrichshafen. In zwei Stufen und insgesamt 620 Stunden kann hier die theaterpädagogische Grundausbildung abgeschlossen werden. Die jeweiligen Ausbildungsprojekte finden in Absprache mit dem Referenten für Schultheater des Landes Baden-Württemberg statt, der das Projekt entsprechend seiner Möglichkeiten unterstützt. (wie)