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Theater Melchingen zeigt "Der Verbrecher aus verlorener Ehre"Montag, 10. April '06
Bühnenversion spannt den Bogen von Schillers Novelle ins Hier und Jetzt.
FISCHBACH - Mit einer Bühnenversion von Friedrich Schillers "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" hat das Theater Lindenhof Melchingen das Publikum der Theatertage am See am Freitagabend begeistert. In Zusammenarbeit mit ehemaligen Strafgefangenen gelang es, den Bogen von Schillers Novelle ins Hier und Heute zu spannen.
Ein Schrei, dann betreten fünf Männer nacheinander durch eine Drehtür die Bühne. Wortlos. Alle tragen ein T-Shirt mit der Aufschrift "Wolf". Irgendwie sind sie alle Wolf. Christian Wolf, der "Sonnenwirt" aus Schillers Novelle "Der Verbrecher aus verlorener Ehre". Bernhard Hurm schlüpft in dessen Rolle, erzählt seine Geschichte, wie er in die Straffälligkeit abrutscht, warum er immer wieder straffällig wird, warum er sich schließlich freiwillig ergibt.
"Ich bin ein Einbrecher, das war für mich normal", unterbricht Thomas. Geschichten heutiger Knackis stehen plötzlich im Raum. Falsche Freunde, Heim, Langeweile - schnell ist man zum ersten Mal straffällig geworden, das wird klar. Irgendwann der erste Gefängnisaufenthalt, "alles wird vollkommen egal, die Zukunft ist nicht greifbar".
Wieder draußen im echten Leben ist man gebrandmarkt. "Sie fliehen mich wie einen Giftigen.", so Schillers Wolf im Stück. Schlechte Voraussetzungen, sich wieder einzufinden. Der Kreislauf beginnt von vorn. "Endlich hatte ich verlernt mich zu schämen. Ich wollte mein Schicksal verdienen", gibt Wolf schließlich die Rückkehr in ein straffreies Leben auf. Dem zur Seite stehen immer wieder Lebensgeschichten aus dem Heute. Und es wird klar: Schillers Wolf ist im Jahr 2006 angekommen.
Und das nicht nur wegen Kulisse und Musik, sondern vor allem dank Georg, Thomas und Patrick. Sie sind als Laienschauspieler beim Stück dabei und ihr persönlicher Hintergrund macht die Inszenierung aktuell und echt. Alle drei sind im wirklichen Leben straffällig geworden. Die Knackigeschichten, die sie auf der Bühne erzählen, werden so immer auch ein wenig zu ihren eigenen Geschichten. An diesem Abend wird der Bezug zur Realität jedoch noch deutlicher. Hans der vierte im Bunde fehlt. Er steht unter Tatverdacht und ist in Untersuchungshaft. Der Dramaturg des Stückes Franz Xaver Ott liest seine Rolle.
"Der Verbrecher aus verlorener Ehre" faszinierte Regisseur Stefan Hallmayer, Bernhard Hurm und Franz Xaver Ott schon länger. Im Schillerjahr 2005 stellten sie sich schließlich der Herausforderung. Ziel sei gewesen die zum Teil zeitlose Geschichte heutig zu erzählen, so der Dramaturg. Auch für die Laienschauspieler, die alle in einer sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft in Reutlingen wohnen, war das Projekt eine große Herausforderung. Ihre Nachnamen werden zwar nicht öffentlich, aber sie geben auf der Bühne doch immer auch ein Stück ihres Lebens preis. Sie bekennen sich öffentlich straffällig geworden zu sein. Das ist nicht immer von Vorteil. Das Publikum jedoch war absolut begeistert und fasziniert vom Mut der vier und der ungewöhnlichen Idee.
Begeistertes Publikum
Das Stück endet mit den Wünschen von Hans, Thomas, Patrick und Georg. Aufgezeichnet und über Video abgespielt sehen sie sich auf der Bühne selbst über Ziele und Träume sprechen. Der nicht enden wollende Applaus eines begeisterten Publikums hilft vielleicht dabei diese zu erreichen.







