Pressemappe
Totschlag ist ja so sexy - Theatertage: "Heute Abend: Krieg!"Freitag, 07. April '06
Heute Abend: Krieg!" Warum nicht, aber muss er denn immer so verdammt laut sein? Die Füße hochlegen, den Fernseher einschalten und Nachrichten hören wäre doch auch eine bequeme Art, ganz nah an Kriegsschauplätzen zu sein. Zwischendurch den virtuellen Gegner am PC ein wenig abschlachten? Gerne. Krieg ist sexy und Totschlagen kann so erfüllend sein. "Erst die Zeit, dann eine Fliege, vielleicht eine Maus und dann so viele Menschen wie möglich." Hauptsache, die Aussicht auf ein Mega-Event ist da. Dann ist der Abend gerettet.
Wie fühlt man sich, wenn man als Zuschauer mit einem weißen Laken zugedeckt wird, während die Action weitergeht? Wie lange hält man dieses Gefühl des langsamen Sterbens aus? Krieg ist geil, da muss man hin, so einfach ist die Botschaft. Die Theater-AG des Schubart Gymnasiums aus Aalen entwirft keine weit entfernten Schreckensszenarien, sondern erzählt in beklemmenden Spielszenen von Realitäten, die sich in der großen Politik genauso abspielen wie in Familien, auf Schulhöfen und in Kinderzimmern. Krieg ist doch im Grunde so einfach. Wenn man keinen Waffenschein hat, dann tut's eben auch ein Führerschein.
Mit beachtlicher Bühnenpräsenz meistern die jungen Schauspieler ihren anspruchsvollen Part und nehmen ganz bewusst das Publikum mit in dumpfe und unbehagliche Räume, aus denen es kein Entrinnen zu geben scheint. Das Schlachtfeld ist bestellt. Beispiel: Ein ganz normales Arbeitsessen, bei dem es im wahrsten Sinne des Wortes um Fressen und Gefressenwerden geht. Nervende und ohrenbetäubende Geräusche hinterlassen eine unangenehme körperliche Erfahrung, sind nah an der psychischen Schmerzgrenze und nehmen damit dem täglichen Kleinkrieg jede Faszination, um ihn dann wieder verführerisch erscheinen zu lassen. Fehlt noch was? Vielleicht ein klitzekleines Feindbild? Kein Problem. "In den meisten Menschen steckt ein guter Feind", sagt der Instruktor seinen noch unerfahrenen Kadetten. "Feindschaft kann man trainieren."
Auch Wolfgang Borcherts guter Soldat Beckmann steht immer noch "Draußen vor der Tür" und muss erkennen, dass er in einen Frieden hineingerät, in dem der Tod noch immer und schon wieder alle Hände voll zu tun hat. "Es gibt den Stern der Hoffnung. Er wird verliehen für die Nichtachtung jeglichen Befehls", wird mit den Worten Ingeborg Bachmanns am Schluss vermeldet. Warum? "Keiner hat den Krieg gewollt", hatte die Heerschar der gesichtlosen Soldaten zuvor verkündet. Natürlich nicht. Aber heute Abend gehen wir alle wieder hin. Oder?







