Theatertage am See - Festival des internationalen Amateurtheaters
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Bodenseeschule wird KulturhausSamstag, 18. März '06

Kategorie: 2006, Festival

Von: Südkurier, Brigitte Geiselhart

22. Theatertage am See im April

"Wie noch nie wird man dieses Jahr erkennen, was Theater alles leisten kann." Gerhard Schöll, Jürgen Mack und Andreas Glatz stimmen auf die 22. Auflage der Theatertage am See ein. Bild: Geiselhart

Der Begriff Schulkultur wird in der bildungspolitischen Diskussion immer wieder neu definiert. Wir haben den Begriff gesprengt. Für eine Woche wird die Bodenseeschule St. Martin zum Kulturhaus." Mit berechtigtem Enthusiasmus starten die Macher in die 22. Auflage der "Theatertage am See", die vom 3. bis 9. April über die Bühne gehen, und zum diesjährigen Thema "Theater und Musik" ein faszinierendes Spektrum von Schul- und Amateurtheater präsentieren. 4000 Zuschauer werden erwartet, mehr als 300 Kursteilnehmer, viele begeisterungsfähige Schüler und Erwachsene. "Lacho drom - Der gute Weg" ist der Leitgedanke eines europäischen Jugendprojekts, das auch in diesem Jahr die internationale Begegnung von 60 jungen Menschen - darunter zwei Drittel Sinti und Roma - ermöglicht und in den Ablauf der Theatertage integriert wird. Durch Zuschüsse der Stadt Friedrichshafen, des Landesverbands und des Bundes Deutscher Amateurtheater, durch weitere Sponsoren, sowie durch europäische Gelder ist auch die Finanzierung des auf 180 000 Euro gestiegenen Gesamtbudgets in trockenen Tüchern.

Nicht auf Lorbeeren ausruhen will sich das Organisationsteam um Jürgen Mack, Gerhard Schöll und Andreas Glatz. "Wie noch nie wird man dieses Jahr erkennen, was Theater alles leisten kann", weckt man schon jetzt große Erwartungen. Welche Bedeutung haben die universellen Sprachen des Tanzes und der Musik für Theateramateure? Welche ästhetischen, therapeutischen oder sozialpädagogischen Intentionen können umgesetzt werden? Diese Fragen ziehen sich wie ein Roter Faden durch die 23 Aufführungen verschiedener Couleur und Prägung. Die Inhalte sind wie immer breit gestreut. Acht Schul- und Jugendtheatergruppen arbeiten Klassiker von Schiller oder Shakespeare neu auf, beschäftigen sich mit Liebe genauso wie mit Krieg oder mit den Irrungen und Wirrungen des Schulalltags. Die jungen Schauspieler kommen aus Konstanz, Wilhelmsdorf, Mannheim, Sulz am Neckar, Kaltbrunn, Aalen, Tübingen und sogar aus St. Petersburg. "Dass professionelle Regisseure mit lupenreinen Amateuren zusammenarbeiten, ist in anderen Ländern längst üblich, war bei uns aber lange tabu", betont Jürgen Mack. Dass sich in dieser Hinsicht ein Wandel anbahnt, zeigt etwa die Arbeit der Laienspielgruppe am professionellen Kinder- und Jugendtheater des Landestheaters Tübingen, die sich mit "Knutschflecken" - einem Stück über Zweifel und Hoffnung auf dem Weg zum Erwachsenwerden - dem Publikum vorstellen.

Nicht weniger Spannung versprechen die Vorstellungen im Bereich Amateurtheater. Was es wirklich auf sich hat mit Dichterfürsten und Geldadel, mit Gretchen und bellenden Pudeln kann man bei "Der Faust in der Tasche" des Theaters Apron aus Halle erfahren, "Unterwegs mit Peer Gynt zu Trollen, Trug und Träumen" ist das "Generationentheater Zeitsprung" und wie der so genannte schönste Tag zum Sinnbild des künftigen Ehealltags wird, kann bei Brechts "Kleinbürgerhochzeit" des "Freilichttheaters im Tempele" erlebt werden. Dass mit Avner Eisenberg aus den USA und Monique Schnyder aus der Schweiz internationale Stars des Tanz- und Bewegungstheaters an den See kommen, auch darauf darf man sich jetzt schon freuen. Am Sonntag, 9. April, endet das Festival mit dem Finale, öffentlichen Kurspräsentationen und der Verleihung der Theaterpreise.