Theatertage am See - Festival des internationalen Amateurtheaters
Kontakt Das Festival Kurs- und Theaterprogramm Theaterpädagogische Ausbildung Impressionen vom Festival Ausschreibung der kommenden Theatertage
Gästebuch
Impressum
Förderer

Pressemappe

Verlierer im ScheinwerferlichtSonntag, 02. März '08

Kategorie: 2008, Festival

Von: Harald Ruppert, Südkurier

Jürgen Mack und Wolfgang Götz vor dem Theatertage-Plakat. Bild: Ruppert

Keiner will sich zu ihnen gehören, und dennoch sind sie der Stoff, aus dem viele Klassiker der Theatergeschichte gemacht sind: die Verlierer. Um sie kreist auch das Bühnenprogramm der 24. Theatertage am See: In insgesamt 15 Aufführungen sind in der Bodenseeschule St. Martin Schul- und Jugendtheatergruppen sowie Amateurtheater mit ihren Inszenierungen zu erleben. "Darunter sind Theatergruppen, deren Mitspieler selbst zu gesellschaftlichen Randgruppen zählen", sagt Wolfgang Götz vom Theatertage-Förderverein. Er meint Gruppen wie "Die Knöpfe" vom Körperbehindertenzentrum Oberschwaben in Weingarten; Gruppen wie das Theater "Voll Normal" der Lebenshilfe Bodenseekreis oder den "Comedy Express" aus Sommeri in der Schweiz, in dem Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen Theater machen. Sie alle sind zu Gast bei den Theatertagen, und allesamt treten sie mit Eigenproduktionen an, in denen sie oft mit großem Witz eigene Lebenssituationen aufgreifen - so wie der Comedyexpress, der die gewohnten Rollen umdreht: Die behinderten Heimbewohner verwandeln sich in der Eigenproduktion "Die Schwarzwitzklinik" in Ärzte, die einen kerngesunden Elektrikergehilfen krankenhausreif pflegen - gewitzt wird das Verlierer-Image auf den Kopf gestellt.

Gehaltvolles Theater verspricht auch die Gruppe "Bartholomei's" aus Brixen, Südtirol - "eine der exponiertesten Seniorentheatergruppen Europas", sagt Jürgen Mack, der Vorsitzende des Theatertage-Fördervereins. Auch sie spielen eine Eigenproduktion, in der aus eigenen Erfahrungen geschöpft wird - der Erfahrung, alt zu werden.

Wie gewohnt, teilt sich das Programm in Aufführungen von Schul- und Jugendtheatergruppen sowie Amateurtheatergruppen. Das Niveau verspricht sehr hoch zu werden, denn ein Drittel der eingeladenen Bühnen hat in der Vergangenheit schon einmal den Theatertagepreis gewonnen.

Bei den Amateurtheatern stellt Jürgen Mack einen Trend zur Professionalisierung fest, eine Entwicklung, die er begrüßt: "Immer mehr professionelle Regisseure und Theaterpädagogen arbeiten mit Amateurschauspielern." Auch bei den 24. Theatertagen schlägt sich das nieder. Neugierig ist Jürgen Mack, ob es solchen Regisseuren gerade bei den Theatergruppen mit behinderten Menschen gelingt, Stücke auf die Bühne zu bringen, welche die Darsteller zu ihrem Recht kommen lassen, oder ob ein manipulatives Selbstoffenbarungstheater daraus wird, das eher auf das Publikum hingeschrieben wirkt. Was an einzelnen Inszenierungen geglückt ist und woran es noch zu arbeiten gilt, das soll zwischen den auftretenden Gruppen in Anschluss an ihre Aufführungen diskutiert werden. Deshalb wird ein Forum für Nachbesprechungen eingerichtet werden, an dem auch das Publikum aktiv teilnehmen kann. Jürgen Mack möchte, dass die auftretenden Gruppen die Theatertage durch die Rückmeldungen auch als Möglichkeit begreifen, sich weiterzuentwickeln.