Theatertage am See - Festival des internationalen Amateurtheaters
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Verlierer rücken ins RampenlichtFreitag, 25. Januar '08

Kategorie: 2008, Festival

Von: Harald Ruppert

Diese beiden sind für diese Aufnahme sitzengeblieben, aber deswegen noch lange keine Verlierer: Jürgen Mack und Selma Öngel mit dem Kursprogramm der 24. Theatertage am See in der Bodenseeschule. (Bild: Ruppert)

Sie sind die Helden der Theatergeschichte: die Verlierer. Genau so sehen das Jürgen Mack und Selma Öngel, die gestern das Kursprogramm der 24. Theatertage am See in der Bodenseeschule St. Martin vorstellten. "Jeder hofft, dass er nicht zu den Verlieren zählt - aber gerade deshalb ist der Verlierer das dankbarste Thema in der Theatergeschichte", sagt Mack: "Hamlet, Macbeth, das Gretchen aus Goethes Faust' - sie alle träumen von einem einzigartigen Leben, aber es kommt immer etwas dazwischen!"

Zeit also, dass man auch an der Bodenseeschule die Verlierer einmal ins rechte Licht rückt, und so bilden die Gescheiterten also das Leitmotiv der diesjährigen Theatertage, die von 10. bis 16. März dauern werden. Wie immer teilen sich die Theatertage in Schul- und Amateurtheateraufführungen auf der einen sowie theaterpädagogische Kurse und Schulprojekte auf der anderen Seite. Großprojekte wie die letztjährige Aktion "City of Gold", die sich an die Häfler Hauptschulen richtete, wird es diesmal nicht geben - dazu fehle einfach das Geld, so Jürgen Mack; zumindest in diesem Jahr. 11000 Euro habe man vor zwei Jahren in die schulischen Projekte gesteckt, im vergangene Jahr seien es bereits 15000 Euro gewesen, die das Budget der Theatertage belasteten; so habe man nicht weitermachen können, sagt Jürgen Mack, und deshalb wurde der Projektbereich gekürzt.

40 Projekte mit 19 Referenten werden dennoch gestemmt, und die sind begehrt: Interessierte Schulen, die Projekte buchen wollen, durchlaufen inzwischen ein regelrechtes Bewerbungsverfahren. So soll ein gerechter Proporz erreicht werden.

Für erste Klassen finden sich ebenso Projekte wie für die Dreizehnten, thematisch reicht die Spanne von klassischer Akrobatik oder Märchen-Erzählprojekten bis zu Kursen, die das Theatertage-Thema des "Verlierers" direkt aufgreifen - schließlich ist es gerade für Schulen ein wichtiges Erziehungsziel, Kinder nicht rücksichtslos auf Erfolg zu trimmen, sondern ihnen auch beizubringen, dass im Scheitern die Chance zu neuen Sichtweisen liegt. Und so werden Schüler in den Kursen mit Theatergeschichten vom Verlieren und Gewinnen vertraut gemacht, Geschichten von "Losern, Brillenschlangen und Verplanten" entwickeln sich - und auch wie ein handfester Bühnenzoff auf der Bühne inszeniert wird, kann man lernen; jeder Niederlage geht ja ein wie auch immer gearteter Kampf voraus. "Das Motto der Theatertage hat sich noch nie so deutlich in den Projekten und Kursen niedergeschlagen", sagt Jürgen Mack.

Für die Wochenendkurse (14. bis 16. März) kann man sich erst seit einigen Tagen anmelden, aber schon sind einzelne von ihnen ausgebucht. Selma Öngel und Jürgen Mack ist es gelungen, neben bewährten und bereits bekannten Kursleitern auch wieder neue Namen an die Bodenseeschule zu holen. Besonders stolz sind sie auf Kristin Wardetzky und ihren Kurs "Herakles - der Gescheiterte". "Wir versuchen schon seit Jahren, Frau Wardetzky zu bekommen. Sie ist die Grande Dame des deutschen Erzähltheaters", sagt Mack. Mehr als 20 Jahre lang war sie Theaterpädagogin am Ostberliner Kinder- und Jugendtheater, seit 1993 ist Wardetzky Professorin an der Berliner Universität der Künste.

Andor Timor aus Ungarn wiederum steht mit seinem Kurs "Verlierer können nicht locker sein" für ein Theater, das den Kursteilnehmern helfen will, über die Beobachtung der eigenen Körpersprache souveräner zu werden; Mina Tinaburri wiederum widmet sich in ihrem Kurs den "Buffonen" - reichlich skurrilen Verlierergestalten, für die etwa der Glöckner von Notre Dame ein bekanntes Beispiel ist. Bei Tinaburri werden sich die Kursteilnehmer selbst in solch schillernde Charaktere verwandeln und dabei eines lernen: Wer als Verlierer am Rande der Gesellschaft lebt, der kann ihr auch bissig den Spiegel vorhalten.