Theatertage am See - Festival des internationalen Amateurtheaters
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Olympiade der nationalen EitelkeitenFreitag, 30. März '07

Kategorie: 2007, Theaterprogramm

Von: Südkurier, Elfi Braschel

Tempo und Turbulenz bestimmen die Aufführung "Paris 1900", schließlich geht es um die Olympischen Spiele 1900. In einer kurzweiligen, pfiffigen Persiflage nehmen die Jugendtheatergruppen "Les Hippopotames" aus Nancy und "Junges Theater Nellie Nashorn" die Disziplinen, Verständigungsschwierigkeiten und Neid zwischen Frankreich und Deutschland auf die Schippe. Dabei passieren kuriose Missgeschicke - zum Beispiel beim Wettangeln - wo kein Fisch am Haken hängt, sondern der Fuß eines anderen - oder beim Bogenschießen, da wird der Gegner getroffen - urkomisch, bis ins kleinste Detail. Übrigens ist es ein Novum bei den Theatertagen, ein gemeinsames Stück zweier Jugendtheatergruppen aus zwei Ländern zu präsentieren.

Natürlich fehlt auch das französische Flair nicht, eingefangen durch Musik und Sprache sowie eine Stadtbesichtigung der Deutschen, drollig doof in Szene gesetzt. Mit einer großen Portion Selbstironie halten die jungen Darsteller den Deutschen den Spiegel vor. Mit plakativer Gestik und Mimik überzeichnen sie Wettstreitsituationen im Kampf und untereinander mit begeisternder schauspielerischer Leistung, vor allem in der Pantomime. Wenn der Träger der olympischen Flamme - im Nachtgewand mit Pudelmütze wie der deutsche Michel - inbrünstig nach seiner verschwundenen Taube "Bruno" schreit, dann haben die Franzosen sie gestohlen. Wenn jene beim Wettangeln gewinnen, dann haben die Deutschen sie betrogen.

Durch das ganze Stück zieht sich der Spaß an dem Bemühen, die anderen auszustechen, sich zu brüsten und zu übertrumpfen. Und zwischendrin schmachten sich die verliebten Kapitäne beider Mannschaften an. Mit einem Augenzwinkern beleuchtet das Stück den Nationalstolz beider Länder und rührt an ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte. Während die Franzosen mit stolzgeschwellter Brust die Fahne schwenken, wedeln die Deutschen ängstlich nur mit einem Tüchlein - bezeichnenderweise tut das ein dunkelhäutiger Jugendlicher. Die erfundene Disziplin "Mund zu Mund-Beatmen" ist der Brüller und bedeutet Gold für Deutschland.

Ende gut alles gut. Die Wellen sind geglättet: Taube Bruno ist wieder da, und - was es noch nie gab - absoluter Gleichstand zwischen den Mannschaften. Es lebe die deutsch-französische Freundschaft! Der Applaus will nicht enden, so gut hat es den vorwiegend jungen Zuschauern gefallen, die anschließend mit den Darstellern noch diskutieren dürfen.