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Theaterpädagogischer Ausbildungskurs spielt „überWunden - Medea und die Reise der Argonauten“Samstag, 04. Juli '09

Kategorie: Theaterpädagogische Ausbildung, Theaterpäd. Ausbildung

Von: Helmut Voith, Schwäbische Zeitung

MECKENBEUREN - Von den Argonauten hat man irgendwann in einem Sagenbuch gelesen, einige der Helden tauchen in Kreuzworträtseln auf. Das Spiel des 8. theaterpädagogischen Ausbildungskurses am Lehrerseminar in Meckenbeuren aber macht aus der antiken Sage über „Medea und die Reise der Argonauten" im Gleis 1 spannendes aktuelles Theater.

Bühnenbild, Regie, Choreographie, Musik und Licht machen die „Medea“ im Gleis 1 zum mitreißenden Gesamtkunstwerk. Foto: Helmut Voith

„Gewalt von oben hat keine Scham“

Es geht um die Argonauten, um die Rückholung des Goldenen Vlieses, um Jason und Medea. Eine Vielzahl von Autoren hat den blutig endenden Konflikt zwischen Jason und Medea zum Anlass genommen, in einem Stück auch die Probleme der eigenen Zeit einzubringen. Die Fassung, die Jürgen Mack mit dem Ensemble erarbeitet hat, betont die archaische Schwere, die Wucht einer Tragödie, vor der es kein Entrinnen gibt. Sie fragt, wie eine große Liebe durch die Umstände zerstört wird und zeigt, dass Herrscher schon damals vor allem an einem interessiert waren: die eigene Macht zu erhalten. Politische Gegner werden nach Möglichkeit unauffällig beseitigt oder, wenn es anders nicht geht, mit scheinbarer Harmlosigkeit hereingelegt. Pech nur, wenn der Gegner schlauer ist oder durch wissende Berater aufgeklärt wird, so wie Jason. Wie konnte er auch König Pelias so direkt sagen, dass er die ihm zustehende Herrschaft beansprucht!

Herbe Medea ist echte Partnerin

Benjamin Frost spielt einen sehr menschlichen Jason, nie ist er hier eine gefährliche Kampfmaschine. Er ist ein Mensch mit Schwächen, der im entscheidenden Moment Fehler macht, zu lange zögert, zu Medea zu stehen, die ihm schließlich das Leben gerettet hat. In der von Mandy Bouchenafa überlegt gespielten herben Medea hat er eine echte Partnerin, die ernst genommen werden will. Anders als in der Sage tötet sie hier nicht selbst ihre Kinder, um sich an ihrem Mann zu rächen.

Die beiden sind so ins Ensemble integriert, dass keiner an den Rand gespielt wird. Natürlich merkt man Unterschiede in der schauspielerischen Leistung, doch hier geht es um das Ganze. Am Abschluss der theaterpädagogischen Ausbildung steht das gemeinsame Projekt. Das Schauspielerische ist nur eine Komponente – die angehenden Schultheaterleiter lernen auch, wie wesentlich die Choreographie ist. Hier leben dank der Choreographin Pia André ganze Szenen von spannenden Kämpfen, von stürmischen Ruderorgien, bei denen auch die Begleitmusik eine wichtige Rolle spielt.

Mitreißend: „We will rock you“

Herrlich, wie der Sänger Orpheus vorne am Bug steht und den Takt schlägt, wie er „We will rock you“ singt und die anderen mitreißt. Dramatisch der präzise choreographierte Kampf Jasons mit den wilden Stieren, erotisch seine getanzte Liebesbegegnung mit Medea. Ein besonderes Lob gilt der Körperarbeit. Ob jemand über Bord geht, ob er im Kampf fällt oder im Sturm in den Seilen hängt - bei so viel draufgängerischer Action ist man fast versucht, nach blauen Flecken zu spähen. Oder haben die Göttinnen davor bewahrt? Von ihrem erhöhten Sitz aus verfolgen und kommentieren Aphrodite, Athene und die hausfraulich bügelnde Hera das Geschehen, mischen sich bisweilen verkleidet unter die Irdischen. Bühnenbild (Schiffsbau Max Abels), Regie (Jürgen Mack und Nicole Pengler), Choreographie (Pia und Fé André), Musik und Licht (Leon und Marian Smolenski) machen die Aufführung zum Gesamtkunstwerk, das einen mitreißt und zugleich mitdenken lässt. Theater pur, nicht nur für Insider.

Weitere Aufführungen von „Medea und die Reise der Argonauten“ im Kulturschuppen Gleis 1 sind am 4., 9., 10. und 11. Juli, jeweils um 20 Uhr; Schulaufführungen am 7. Juli um 10 und 15 Uhr und 9. Juli um 15 Uhr. Karten im Vorverkauf gibt es unter Telefon 0 75 42 / 47 11.