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Clown-Training bei den Theatertagen am See - Auch über Laken kann man lachenDonnerstag, 06. April '06
FRIEDRICHSHAFEN - Dass der Meister ihm ein paar knackige Rezepte in die Hand drückt, hat der Häfler Klinikclown Wolfgang Fauth gehofft. Allein er kriegt sie nicht. Denn im Workshop von Avner Eisenberg gibt's keine fixen Ansagen. Der weltbekannte Mime stülpt den Teilnehmern nichts über - gefragt ist, was von innen kommt.

Was tun mit dem Leintuch? Avner Eisenberg (rechts) weist Peter Leonhard in die Geheimnisse der Clownerien ein. SZ-Foto: Anja Köhler
Die großen Kulleraugen huschen hektisch durch den Probenraum des Don-Bosco-Hauses im Eriskircher Ried. Die Hände krallen sich in ein Laken. Das Laken fällt runter. Der Blick rutscht hinterher. Peter Leonhard geht in die Knie. Zerrt am Leintuch. Fixiert mit gerunzelter Stirn die Zuschauenden. "Stop." Was, fragen die Kulleraugen, stimmt denn nicht? "Versuch nicht, interessant zu sein. Sei interessiert", wirft Eisenberg ein. Leise. Lächelnd. Doch mit großem Nachdruck. Diesen Satz wird er noch oft wiederholen. Ist er doch die Essenz dessen, was der Star-Komiker dem guten Dutzend Teilnehmer, die bis aus Heidelberg, Freiburg und Basel zu den 22. Theatertagen an den Bodensee gereist sind, vermitteln will: Ein Clown ist weder ein Spaßmacher, der platte Witze reißt, noch ein Schauspieler, der irgendeine Rolle spielt und auf Applaus aus ist. "Ein Clown", sagt Avner Eisenberg, "ein Clown ist". Punkt.
Ist Mensch. Ist mithin Freude. Furcht. Schmerz. Verwirrung. Nur wenn er all diese Facetten zulässt, kann er sein Publikum "zum Lachen bringen - oder zum Weinen". Sofern er sich dessen bewusst ist, was in ihm abgeht, was er tut, wohin er will. Und wo er blockiert. Wie Peter Leonhard, dessen Laken-Zusammenleg-Performance unversehens ins Stocken gerät. "Breathe!", ruft Eisenberg. Und weist auf den Kreislauf von Gefallenwollen, Angst und Atemanhalten hin: "Es ist immer der Körper, der die Wahrheit erzählt."
Richtiges Atmen ist alles
Tatsächlich bricht mit dem Fluss des Atems auf eigenartige Weise sogleich auch die Verbindung einerseits zum Publikum und andererseits zu Leonhards Clownspartnerin ab, die am anderen Ende des Lakens zerrt. Avner Eisenberg schickt ein herzhaftes Lachen in die allgemein irritierte Atmosphäre. Und löst die Spannung, indem er erklärt: Für einen Clown ist ein Problem kein Grund zur Panik. Weder flieht ein Clown vor einer Schwierigkeit, noch kämpft er dagegen an - er freut sich darüber. Und probiert Lösungen aus. Lösungen, die ruhig unverhältnismäßig, ungewöhnlich oder urig sein dürfen. "Wählt immer den falschen Weg. Er kann sich als der richtige erweisen." Herr Leonhard, nochmal ran ans Lakenfalten!
Knopfloch-Rosen aus Klopapier
Also packt der Freiburger, der im richtigen Leben als Zauberer seine Brötchen verdient und von Eisenberg lernen will, "wie ich lustiger beziehungsweise humorvoller werde", erneut an. Knautscht das Bettzeug zur Wurst, zieht es seiner Mitaktrice erst übern Kopf, dann mit ihr in die Länge - kriegt es halt auf vielerlei Arten partout nicht gebacken. Bis das Leintuch endlich doch nicht mehr verdreht ist - dafür aber die Arme der beiden Mimen. Macht nichts: Auch in verrenkter Armstellung ist das Wäschestück nach diversem Hin- und Herdrehen, Drübersteigen und Auf-dem-Boden-Ablegen irgendwann zum Knäuel gefaltet. Die Kulleraugen strahlen. Eisenberg auch.
Zum Abschluss hat er für die ambitionierten Teilnehmer, von denen die meisten in ihrer Freizeit zwischen Mannheim und Basel als Klinikclowns unterwegs sind, noch einen Tipp parat. Weil ein echter Clown mit sparsamen Gesten und schlichtem Material auskommt, holt Eisenberg nicht bloß aus einem Bettlaken das Maximum raus. Ihm tut's bisweilen auch ein Streifen Klopapier, um eine Knopfloch-Rose draus zu basteln. Deren Übergabe es sodann entsprechend zu inszenieren gilt. Es sind solche "Kleinigkeiten mit großer Wirkung", die Wolfgang Fauth frappieren und die er mit nach Hause nimmt aus dem Workshop. Klinikclownkollegin Christiane Eisel auch. Für sie liegt Eisenbergs Geheimnis darin, dass vieles von dem, was er tut, "nicht bloß ins Auge fällt, sondern auch ins Herz".







