Theatertage am See - Festival des internationalen Amateurtheaters
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Der Schwerkraft schlägt sie ein SchnippchenSamstag, 08. April '06

Kategorie: 2006, Theaterprogramm

Von: Schwäbische Zeitung

FRIEDRICHSHAFEN (ans) - Sie nennt sich Mamalou und bezeichnet sich selber als Tanzartistin: Monique Schneider hat bei den Theatertagen am See einen großartigen Auftritt hingelegt. Eine Stunde ohne Sprache, und dennoch voller atemberaubender Spannung und Humor, eine Kombination aus Musik, Tanz, Objekten und Clownerie liegt vor dem Publikum.

Unglaubliche Körperbeherrschung: Monique Schneider als Mamalou. Foto: Paul Silberberg

Die Bühne ist kärglich ausstaffiert, nur ein Lampenschirm und ein beleuchtetes Bild sind zu sehen. Mamalou erscheint, und auch sie überrascht mit ihrem verhärmten Outfit: grauer Faltenrock, biedere Omabluse, turbanartiges Hütchen, dicke Brille. Nein, besonders sportlich oder gar attraktiv sieht sie nicht gerade aus. Mit einem verpackten vermeintlichen Blumenstrauß in Übergröße steht sie etwas verunsichert da und beginnt, ihn in aller Ruhe in seine Einzelteile zu zerlegen. Zum Vorschein kommen verschiedene Reinigungsbürsten, Besen, ein Teppichklopfer, Staubwedel und andere nützliche Sauberkeitsutensilien, aus denen sie ohne jeglichen Anflug von Hektik ein ausbalanciertes Gesamtkunstwerk schafft. Ihre Schuhe streift sie kurzerhand ab, steckt ihre Füße in zwei Handtaschen und wird mit Hilfe der Tragegurte zur Marionette, die sie selber befehligt. Was in einem Lampenschirm so alles steckt, enthüllt der nächste Programmpunkt: In einer Seelenruhe schleppt sie die Dinger in allen Farben und Größen auf die Bühne, stapelt sie pyramidenartig und beginnt sogar, sich den einen oder anderen anzuziehen, der Große wird zum Röckchen, die Kleinen werden zu Gamaschen oder Häubchen.

Aus grauer Maus wird eine Diva

Zur absoluten Hochform läuft sie auf, als sie ihre Akrobatiknummer auf einem umgedrehten Tisch mit beweglichen Tischbeinen startet. Sie scheint die Grundsätze der Schwerkraft aufzuheben. Ganz langsam mit unglaublicher Körperbeherrschung und -spannung entstehen aus ihrem Körper die unglaublichsten Figuren, die eine Zeit lang statuenartig im Raum stehen. Im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll hat sie, als sie sich als Strickmaschine präsentiert: fünf Paar Stricknadeln in ganz verschiedenen Farben und Größen hat sie dabei. Die einen steckt sie sich in die Nase, die nächsten hat sie in den Ohren, Händen, zwischen den Zehen und im Mund. Durch verschiedene Grimassen und Verrenkungen beginnen sie zur fetzigen Musik rhythmisch zu klappern. Im letzten Teil verwandelt sich die anfangs unscheinbare, unattraktive und unsichere graue Maus in eine glanzvolle Diva: sie spannt ihren übergroßen Plisseeumhang wie die Flügel einer Siegesgöttin und verlässt die Bühne als gefeierte, phantasievolle, kreative Powerfrau.