Theatertage am See - Festival des internationalen Amateurtheaters
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Rübezahl hat HungerSamstag, 31. März '07

Kategorie: Theaterprogramm, 2007

Von: Südkurier, Brigitte Geiselhart

Was macht für Kinder ein gutes Theaterstück aus? Eine große Rolle spielt dabei sicherlich das Happy End. Diesen Bonus hatte die Theatergruppe "Mutabor" der Heim- und Sonderschule St. Laurentius Herxheim mit ihrer eigenen Version der Rübezahlgeschichte auf jeden Fall für sich. Durch ihren Mix aus Schwarzlicht-, Schatten- und Sprechtheater verstanden es die jungen Akteure - alle mit geistiger Behinderung - mit dem Publikum in die Märchenwelt einzutauchen.

Der Sinn für Gerechtigkeit, das Treiben von Schabernack, sich einsam und traurig fühlen, diese Eigenschaften des Rübezahl dienten als Vorlage zum individuellen Märchenstück, das kontinuierlich von Aufführung zu Aufführung gewachsen ist und sich sicherlich noch weiter entwickelt. Dass die Spieler in ihre Rollen im Lauf der Zeit regelrecht hineingewachsen sind und sie sich damit identifizieren, bringen sie nicht nur durch deutliche Mimik und Gestik wie glückliches Hüpfen und wütendes Stampfen oder einfach nur strahlende Augen zum Ausdruck, sondern auch in Tonfall und Seufzern. "Ich will nicht stehlen, das darf man nicht." Das ist nicht nur gesprochener Text, sondern innerste Überzeugung. Sowieso klar, dass der Dieb bei seiner Verhaftung auch noch einen Klaps auf den Hintern bekommt.

Durch drehbare Kulissen, Diaprojektion und Schattenspiel können die Handlungsorte ohne Zeitverlust gewechselt werden, gehen ineinander über und selbst auf der kleinen Bühne ist eine Verfolgungsjagd vom Burgmarkt bis in den tiefen dunklen Wald möglich.

Der schlafende Riese ist also nach 100 Jahren erwacht, hat Hunger, bekommt von den Bäumen den Tipp, auf den Markt zu gehen, hat aber kein Geld. Er begegnet einem armen frierenden Menschen und einem geizigen Lottomillionär ("Ich bin reich, und Du nicht, bätsch!") und reagiert spontan: Mit einem Zauber erstarren alle, dem Reichen werden aus seinem Beutel zwei Geldstücke entnommen, eines für den Bedürftigen und eines für Rübezahl, der es wiederum dem Nächsten für dessen Kinder gibt.

So kann die turbulente Geschichte ihren Lauf nehmen - und als der einsame Rübezahl schließlich das Berggeistweibchen trifft und die entscheidende Frage "Willst Du mit mir essen gehen?" mit einem spontanen "Ja ich will" beantwortet bekommt, bleibt dem jungen Publikum nur noch die lautstarke Bitte um "Zugabe!!!"