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Der ganz normale Wahnsinn des SchulalltagsDonnerstag, 06. April '06
Klasse gemacht: Gymnasium Wilhelmsdorf mit Szenen-Collage "Schoolrocks" bei den Theatertagen am See
Schule ist geil. "Hey Alter, was geht? Willst du Stress?" Schule ist cool. Jungs, die gut rumhängen können, Mädchen, die ihren Zickenkrieg allzu gerne öffentlich austragen. Schule ist pure Wirklichkeit.
Strahlende Gewinner auf der einen, ewige Loser auf der anderen Seite. Sportskanonen, Träumer, Null-Bock-Typen, Mauerblümchen. "Morgen ist heute gestern", überlegt die Gelangweilte. "Aus Minuten werden Sekunden und die Sekunden sind schon vorbei", klagt die Hektische, der die Zeit durch die Finger rinnt. Manche werden überholt, andere überholen sich lieber selber.
Mit einer atmosphärisch dichten Szenen-Collage überraschte die Theater-AG des Gymnasiums Wilhelmsdorf unter der Leitung der Oberstufenschülerinnen Hannah Maucher und Lena Stockmayer in der gestrigen Eröffnungsveranstaltung der Theatertage am See im Kleinen Theater der Bodenseeschule St. Martin. "Schoolrocks" führt die ungeschminkte Realität des Schulalltags und der jungendlichen Identitätssuche in fast greifbarer Weise vors Auge des Betrachters, vertieft die Problematik durch bewusst überzeichnete Charaktere und schwankt in seinem Stimmungsbild zwischen tiefer Verzweiflung und schierer Glückseligkeit. Ganz normaler Schulalltag eben.
Die Klasse als pechschwarzer Raum. Ein paar Stühle und Tische, sonst nichts. Es bleibt genügend Platz zur Auslotung der Gefühlswelten. Die Protagonisten spielen sich selbst und wirken deshalb umso überzeugender. Man will schön sein, man will dazugehören, man will sich abgrenzen. Hauptsache, man kann sich als Individuum vor sich selbst und allen anderen produzieren. Kulminierende Beleidigungen sind an der Tagesordnung.
Wie im Leben der Jugendlichen spielt die Musik auch im Stück eine entscheidende Rolle - um die Spannung auf- und abzubauen, aber auch um Emotionen transparent zu machen. Bei "Barbara Ann" ist die Welt rosarot, bei Hardrock-Klängen wird Aggressivität zur Schau gestellt. Musik polarisiert und verbindet dennoch. Musik beendet die Sprachlosigkeit der einzelnen Cliquen. Am Schluss vereinigen sich 19 Individuen zu einer kollektiven musikalischen Front und schmettern "Müssen nur wollen" - wie aus einer Brust. Schüler sind schwer zu verstehen und verstehen sich oft selber nicht. Schüler können aber auch zu Helden des Alltags werden.







