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Kein Krieg, kein SiegSamstag, 15. März '08
Als Vorlage diente Autorin Pauline Mol für ihr Stück "Iphigenie Königskind", das gestern in der Bodensee-Schule vom Ensemble "Tempus fugit" aus Rheinfelden zu sehen war, der Euripides-Klassiker "Iphigenie auf Aulis". Dabei hielt sie sich vorwiegend an den Verlauf der antiken Geschichte, spaltet jedoch die Figur der Iphigenie in "Iphigenie" und "Das Kind", das im Stück nur von Iphigenie wahrgenommen wird. Einsame Klarinetten- und Geigentöne intensivieren Stimmungen und Gefühle.
Mit großer Spielerfahrung zeigen die Darstellerinnen und Darsteller im Alter von 14 bis 23 Jahren das ganze Ausmaß der Tragik: König Agamemnon will nach Troja segeln, um Krieg zu führen, wegen der dorthin entführten Helena, Frau seines Bruders Menelaos. Wegen der anhaltenden Windstille sitzt er mit seinem Heer in Aulis fest. Nur das Opfer seiner Tochter Iphigenie würde die Flaute beenden, offenbart das Orakel. Hin- und hergerissen zwischen Verzweiflung, Wut, Hass und Liebe ist die Rolle des König Agamemnon eine der wechselhaftesten im Stück.
Intensiver noch in seinen Gefühlsausbrüchen ist der dargestellte Menelaos. Trefflich besetzt sind auch die exzentrische Klytemnästra und die mit sich ringende Iphigenie. Wie in einem bizarren Panoptikum wirken die Figuren - durchaus beabsichtigt und effektvoll - im abstrakten Bühnenbild, im Kontrast zu liebevollen, poetischen Szenenbildern: zum Beispiel das Kind und Iphigenie in inniger Umarmung auf der Schaukel. So weit, so gut.
Auch wenn durch Erzählungen und Vorstellung der Figuren versucht wird, die Kinder teilweise an die Geschichte heranzuführen, ist Mols aus der Sicht des Kindes erzählte Fassung nicht ab sechs Jahren geeignet. Für "Menschen ab 6 Jahren" ist die Inszenierung aber im Theatertage-Programm angekündigt. Zu komplex ist der Aufbau, zu schwierig die nebeneinander verlaufenden Handlungsstränge und die raschen Wechsel von klassischer Theatersprache mit für Kinder unverständlichen Ausdrücken zu heutigem Jargon, oder besser: Gassensprache.
Um hinter die Bedeutung der Inszenierung zu kommen, müssen selbst Erwachsene konzentriert dem Geschehen folgen. Und warum schimpfen und streiten Agamemnon und seine Frau in Englisch und benutzen dabei derbe Schimpfwörter? Was können Kinder hier überhaupt verstehen? Reaktionen zeigt das junge Publikum bei überzogenen Bewegungen der Darsteller oder wenn jemand heftig zu Boden stürzt. In Mols Fassung geht Iphigenie nicht für Hellas Befreiung in den Tod, sondern als Aufopferung für ihre geliebten Eltern. Sehenswert war die interessante Fassung allemal, schon wegen der reifen schauspielerischen Leistung.
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