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Von Kluftern bis ChinaMittwoch, 06. April '11
Großartiges Programm bei den 27. Theatertagen am See unter dem Motto „MundArt“ in der Bodenseeschule

Die Produktion „Vive la comédie!“ des Theaters Oberschwaben-Bodensee über das Leben Molières eröffnet morgen die 27. Theatertage am See in der Bodensee-Schule St. Martin.

Aus Peking reisen besondere Gäste an: die Gruppe Taizhou Luantan.
Internationales Spitzentheater unter dem Motto „MundArt“ – damit locken dieses Jahr die Theatertage am See vom 6. bis 10. April in der Bodensee-Schule St. Martin. Ein ganzes Festival unter dieses Motto zu stellen, erschien den Organisatoren zunächst riskant, weil die dahingehenden Angebote der letzten Jahre wenig Anklang fanden. Doch das Konzept ging auf. Alle Kurse vom 4. bis 8. April sind bereits belegt, mit 332 Teilnehmern übrigens ein Rekordergebnis, und die Organisatoren sind mehr als zufrieden: „Mit dem runden, stimmigen Programm haben wir einen großen Wurf gelandet.“
Sprache lebendig gemacht und weitergefasst durch Körpersprache, Requisiten, Licht und Ton, mit einem breiten Spektrum verschiedener Richtungen: von Hochdeutsch über Dialekt und Fremdsprachen bis hin zur Fantasiesprache der Seifenblasen-Clowns „Tortellinis“ aus Kluftern. Zusätzliche Farbe bringen die unterschiedlichen Genres herein: zum Beispiel Theaterzirkus, Komödie, Volks- oder Erzähltheater. Als Höhepunkt dürfte die Taizhou Luantan Gruppe aus China mit ihrer Peking-Oper gelten: Diese tritt an die Stelle der Zhejiang Opera Groupe aus Peking, die kein Visum bekam. Mit drei dynamischen Stücken zeigt sie ihre faszinierenden Künste mit Elementen aus Kampfsport, Tanz und Akrobatik in farbenprächtigen Kostümen. Ob sie am Freitag oder Samstag auftritt, wird wegen des ungewissen Anreisedatums kurzfristig bekannt gegeben.
Eröffnet wird das Theaterfestival am Mittwochabend mit „Vive la comédie“ einem Stück voller Ironie und Komik über das Leben von Molière mit dem Theater Oberschwaben-Bodensee. Interessant ist das gemeinsame zweisprachige Projekt zweier Gymnasien aus Deutschland und Frankreich, mit je einem Stück aus der Literatur des jeweiligen Landes. „Hier gibt es einen völlig neuen Ansatz“, erklärt Hauptorganisator Jürgen Mack, „nämlich Theater als Medium der Begegnung und gegenseitigen Kulturwahrnehmung durch gemeinsame Auseinandersetzungen“. Freuen darf man sich auch auf Gruppen, die bereits in der Vergangenheit begeisterten sowie Preise abgeräumt haben wie „Tempus fugit“ aus Rheinfelden sowie das Spina Theater Solingen. Um die Begegnung verschiedener Kulturen, ihre Konflikte und Konfrontationen, geht es in „Duvar/Wand“ – eine sehr poetische Form des Erzähltheaters – mit dem Theaterzirkus Primero Paso, Ravensburg, einer Jugendbildungsmaßnahme. Zu Wort kommen auch zwei Großmeister der Sprache: „Mann, Klaus!“ mit der Theater-AG der Odenwaldschule: eine Spiel-Collage mit Texten von Klaus Mann. „Mensch, Goethe!“ (Generationentheater Zeitsprung) beleuchtet alle Facetten des großen Mannes sowie seine Bedeutung für die heutige Zeit. „Book of faces“ mit dem Theater Solingen zeigt viele Gesichter und ist ein bereits mehrfach ausgezeichnetes Stück mit Darstellern mit und ohne Behinderung – ein Zusammenspiel von Ausdruck, Tanz, Musik und Bühnenbild. „Die zweite Prinzessin“ mit der freien Theatergruppe Zürich zeigt einen sehr kreativen Umgang mit dem Thema Kaspar Hauser in der Sprache der Märchen. Den Abschluss bilden PROG aus Polen. Bereits letztes Jahr hat ihr Stück als Werkstattergebnis beeindruckt. Nun will man sehen, wie es sich weiterentwickelt hat. Neu dabei ist die PROG Junior-Gruppe.
Zum ersten Mal ist es gelungen, Amateurtheatergruppen aus allen deutschsprachigen Ländern auf die Bühne zu bekommen, mit einer Heimatgeschichte und der Geschichte einer Flucht aus Österreich sowie drei Inszenierungen aus der Schweiz: ein Volkstheater, die historisch lockere Komödie „Apfelschuss“ über den Tell-Mythos und „VollgasCo“, ein Stück voller punktgenauer Komik zur Integration von Menschen mit geistiger Behinderung und ihren erstaunlichen Leistungen.
Wie immer war den Organisatoren eine kreative Mischung aus (über-)regionalem, ausländischem, Schul- und Amateurtheater sowie sozio-kulturellen Projekten wichtig, um zu zeigen, was Theater alles kann. Eines freut Mack jetzt schon: Die Chancen stehen gut, dass die ersten Baden-Württemberger Schul- und Jugendtheatertage 2012 an die Theatertage am See angegliedert werden. Letztere stehen dann unter dem Motto „Heimat“ und finden somit eine Fortsetzung des diesjährigen eng verwandten Mottos „MundArt“.







