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Zwischen Traum und RealitätFreitag, 08. April '11
Aus einem nüchternen Bühnenbild mit hängenden weißen Papierbahnen eine starke Inszenierung mit dramaturgischer Dichte hervortreten zu lassen, das ist bei den Theatertagen Karin Maßen mit ihrer Jugendtheatergruppe „Tempus fugit“ aus Rheinfelden und dem Stück „Picknick am Valentinstag“ auf faszinierende Weise gelungen. Das will etwas heißen bei einem Stück, das als Film populär wurde und das zu einem nicht unwesentlichen Teil von Landschaftsbildern lebt.Australien um 1900: Eine Gruppe Mädchen eines australischen Mädcheninternats brechen am Valentinstag zum nahe liegenden Hanging Rock zu einem Picknick auf.
Vier Mädchen lösen sich von der Gruppe. Sie wollen die Umgebung erkunden und entfernen sich traumwandlerisch immer mehr von den anderen. Eine der vier kehrt jedoch um, und so beginnt die betreuende Lehrerin nach den drei Mädchen zu suchen. Bald schon gelten die Mädchen, genau wie die Lehrerin als verschwunden.
Das Bühnenbild entsteht während des Spiels, durch Abreißen oder Verändern der Papierbahnen. Da wird ein Fenster herausgeschnitten, dort Papier zerknüllt und durch Rascheln Meeresrauschen erzeugt; schließlich werden Papierstücke zu Briefen umfunktioniert. Das Stück beginnt ruhig und steigert sich langsam zu kraftvollen, intensiven Szenen, als die Geschichte um das Verschwinden der Mädchen hohe Wellen schlägt. Das Verschwinden, die Suche und die sich daraus ergebenden Ereignisse stehen dabei die ganze Zeit im Mittelpunkt. Doch wendet sich „Picknick am Valentinstag“ auch dem Schicksal der Betroffenen zu und dem, was das Verschwinden bei den Einzelnen auslöst. Zeitsprünge werden oft mit nur einem Satz überbrückt, ohne dass dadurch ein Bruch entsteht. Fantastisch ist die Rolle der Internatsbesitzerin besetzt, die in viktorianischer Strenge für Zucht und Ordnung sorgt und keine Schwächen duldet, aber selbst dem Alkohol frönt. Die Figur wird intensiv und mit aller Unerbittlichkeit verkörpert. Doch gehen auch fast alle anderen Darsteller in ihren Rollen voll und ganz auf, oft mit bewundernswertem schauspielerischem Talent, Bühnenpräsenz und Körpersprache. Nicht zu vergessen die klare Artikulation.
Neben poetischen Bildern – die schönen Mädchen mit ihren Schirmen wie in einem Gemälde von Renoir – bindet die Inszenierung auch Ironie und Wortwitz mit ein, ohne die Tragik der Handlung dadurch zu verharmlosen. Figuren und Abläufe sind oft klar gegliedert und lösen sich dann wieder in fließende oder aktionsreiche Handlungsstränge auf. Wie die Mädchen in langen weißen Kleidern über die Bühne schweben, dazu das wechselnde Lichtspiel, lässt eine mystische Stimmung aufkommen und schafft eine Ebene zwischen Traum und Realität. Komplizierte Zusammenhänge werden hier transparent gemacht und lassen gleichzeitig genügend Freiraum für eigene Interpretation.
Diese Inszenierung zieht den Zuschauer in ihren Bann, sie ist spannend und unterhaltsam zugleich sowie voller kreativer Ideen – also absolut preisverdächtig.







