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Keine grauen MäuschenDonnerstag, 29. März '07
Schauspielerisches Talent braucht keine Sprache. Ein nicht alltägliches Theatererlebnis bescherten gestern die jungen Schauspieler des Budapester Projekts "Caravan" dem Publikum. Ihr Stück "Jede Maus mag Käse", das im Rahmen der Theatertage in der Bodenseeschule gezeigt wurde, war auf Ungarisch - Verständigungsprobleme gab es dennoch nicht. Mit Witz, Humor und Spaß am Spiel trugen die Schauspieler die Geschichte von Romeo und Julia in die Mäusewelt. Die rund 100 jugendlichen Zuschauer würdigten die schauspielerische Leistung mit stehenden Ovationen.
Großes Gelächter ertönte, als der graue Mäusepapa schlaftrunken und mit Bierbauch und Schlafanzughosen das erste Mal die Bühne betrat. Den Gegensatz verkörperte die weiße Mäusemama der aristokratischen Familie, die im eleganten Damenkostüm kokettierte, während Ohrringe an ihren großen Mäuseohren baumelten. Das Stück beschrieb auf amüsante Weise eine ernste Thematik: Den Streit zwischen einer grauen Mäusefamilie der Arbeiterklasse und einer weißen, aristokratischen Mäusefamilie. Während das Verhältnis der Erwachsenen von Argwohn und Vorurteilen geprägt war, bahnte sich zwischen deren Kindern vor den Kulissen einer Käsefabrik eine Liebesgeschichte an.
Nicht nur die Mäusefamilien schlossen die Kinder im Publikum bald ins Herz, auch den Gaukler Sakariasch und seinen bunten, schrillen Papagei Josephina, die die Geschichte erzählten.
Den jungen Schauspielern und Schauspielerinnen war die Freude am Spiel anzumerken. Auch wenn Sie im Stück teils als graue Mäuse kostümiert waren - die sprichwörtlichen "grauen Mäuschen" gab es in dieser Gruppe nicht. Der "Große Katermagier" betrat im zweiten Akt die Bühne und gewann das Publikum sogleich für sich. Seine Rolle war es dann auch, den beiden Mäusefamilien zu lehren, dass Andersartigkeit kein Grund für Hass ist. Das Stück projizierte so ein sozialkritisches und nach wie vor aktuelles Thema in die Tierwelt.
Die Thematik war nicht ohne Grund gewählt, denn die Kulturstiftung "Caravan" bietet benachteiligten Jugendlichen - vorwiegend Roma - eine kostenlose Schauspielausbildung. Der Roma-Schauspieler Oszkur Nyari hatte das Projekt vor sechs Jahren ins Leben gerufen. Die Jugendlichen haben jährlich zwischen 30 und 40 Auftritte. (dra)







