Theatertage am See - Festival des internationalen Amateurtheaters
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Theatertage am See so prall wie nieDienstag, 20. März '07

Kategorie: Festival, 2007

Von: Harald Rupper, Südkurier

Auch ein "European Theatre Adventure" wird wieder stattfinden.

Die Theatertage in der Bodenseeschule gedeihen prächtig. "Ich wundere mich immer wieder, was wir mit unserem kleinen Kreis ehrenamtlicher Mitarbeiter Jahr für Jahr stemmen", sagt Jürgen Mack, zumal das Festival immer noch weiter wächst: So versprechen die 23. Theatertage, die unter dem Motto "Theater bewegt" vom 26. März bis 1. April in der Bodensee-Schule St. Martin stattfinden werden, das wohl größte und anspruchsvollste Bühnenprogramm, das es seit Gründung der Theatertage gab. 28 Inszenierungen stehen auf dem Programm, von Schul- und Amateurtheatergruppen aus ganz Europa, darunter mehrere Formationen, die bereits in der Vergangenheit in Friedrichshafen den Theaterpreis erhalten haben.

Als Festival im Festival könnte man das "3. European Theatre Adventure" bezeichnen: Die von Jürgen Mack und seinem Sohn Jonathan initiierte Reihe verfolgt in erster Linie das Ziel, den Austausch und die kulturelle Identität der über viele Länder verstreuten Sinti und Roma zu fördern und zu festigen. Jonathan Mack ist für sein Engagement inzwischen zum deutschen UNO-Jugendbotschafter ernannt worden. Beim diesjährigen "European Theatre Adventure" werden vier Jugendtheatergruppen aus Polen, Ungarn, Litauen und Berlin zum einen Inszenierungen zeigen (alle am Mittwoch, 28. März, nachmittags und abends). Zudem werden die vier Theatergruppen gemeinsam innerhalb von zehn Tagen eine gemeinsame Präsentation einüben, die am Samstag, 31. März, um 12 Uhr auf die Bühne kommt.

Der dritte Zweig der 23. Theatertage ist das Projekt "City of Gold - Die Stadt der Freundlichkeiten". Rund 100 Schülerinnen und Schüler aus allen Hauptschulen Friedrichshafens werden dabei mit spontanen Aktionen an verschiedenen Orten die Innenstadt zu ihrer Bühne machen. Jutta Widmaier erklärt das Projekt so: "Wir versuchen, die Stadt etwas freundlicher zu machen, und zwar gerade mit einem Klientel, das bei vielen in dem Ruf steht, nicht besonders freundlich zu sein." Man darf sich von 26. bis 30. März also darauf gefasst machen, beim Weg durch die Stadt angenehm überrascht zu werden.

Bis zu sieben Inszenierungen werden bei den Theatertagen pro Tag gezeigt, und Höhepunkte gibt es viele, zumal Jürgen Mack bei Schul- und Amateurtheatergruppen einen Trend zur Zusammenarbeit mit professionellen Theatermachern feststellt. An zeit- und gesellschaftskritischen Stücken fehlt es nicht: Das Spina-Theater aus Solingen thematisiert mit dem Stück "Schule Nr.1" das Geiseldrama von Beslan, das Dokumentartheater Berlin verarbeitet die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Die Landhausschule Heidelberg thematisiert mit "Fight for love" den Kampf zweier Gangs verschiedener Kulturen, das Theater am Freiburger Droste-Hülshoff-Gymnasium wiederum macht den Überlebenskampf der Straßenkinder von Mosambik zum Thema.

Als "Tanztheater auf höchstem Niveau und "absoluten Höhepunkt in der Geschichte der Theatertage" bezeichnet Jürgen Mack die Produktion "Non-linear evolution" des preisgekrönten Theaters Harlequin aus Perm in Russland - eine Theatergruppe, die für ihren Auftritt eine Anreise von mehreren tausend Kilometern auf sich nimmt.

Kreativ mit Klassikern gehen das Theater im Bahnhof Dielheim und das Theaterensemble Stuttgart um, die sich grundverschieden Shakespeares "Macbeth" aneignen. Originell auch der Ansatz der Seniorentheatergruppe "BaSta" aus Karlsruhe mit Brechts "Der gute Mensch von Sezuan": Sie erklären jene drei Götter, die auf die Erde herabsteigen, um dort einen guten Menschen zu finden, kurzerhand für tot.

Originell befruchtet wird auch das Genre Volkstheater: Die Schlossfestspiele Arnfels (Österreich) hauchen Josef Haders erfolgreich verfilmtem Stück "Indien" uriges Leben ein, das "Z-Phynx"-Theater Uetendorf (Schweiz) stöbert das groteske Element von "Beziehungskisten" auf.