Theatertage am See - Festival des internationalen Amateurtheaters
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Theatertage loten neue künstlerische Erfahrung ausDonnerstag, 29. März '07

Kategorie: Festival, 2007

Von: Südkurier, Brigitte Geiselhart

"Theatertage am See" - das ist seit jeher auch der Blick über den kulturellen Tellerrand und das Ausloten neuer künstlerischer Erfahrungen. Doch in der 23. Auflage des vielfach beachteten Theaterfestivals in der Bodensee-Schule St. Martin geht das Organisationsteam um Jürgen Mack, Jutta Widmaier, Britta Lutz und Selma Öngel noch einen Schritt weiter: In den nächsten Tagen verwandelt sich die Stadt in eine "City of Gold". Unter der Anleitung von Theaterpädagogen haben sich auch 80 Mädchen und Jungen aus Häfler Hauptschulen auf dieses Experiment eingelassen.

Theater als Impuls, Theater als Zeichen. Mit dieser Intention gehen die Macher des innovativen Projekts zu Werke. Unbemerkt kommt es an verschiedenen Plätzen der Innenstadt zu Aktionen, die den "normalen" Ablauf im städtischen Treiben irritieren und sind ebenso schnell wieder vorüber sind, wie sie gekommen sind. So sieht es die konzeptionelle Ausrichtung vor. Gedacht ist an kleine Veränderungen, an kurze Begegnungen, die aus dem sprichwörtlichen Rahmen fallen und damit auch ihre Spuren hinterlassen. "Es sind Irritationen der Freundlichkeit, positive, von Humor geprägte Überraschungen", sagt die Berlinerin Cornelia Fleck, die für die Idee und künstlerische Leitung verantwortlich zeichnet. Kurzum eine "soziokulturelle, pädagogische Arbeit, verbunden mit einem ästhetischen Aspekt - geeignet auch für Jugendliche, die noch nie auf einer Theaterbühne gestanden sind." Die unkonventionelle Initiative wird nicht nur von Theaterpädagogen, Künstlern und Lehrern, sondern auch von einem Filmteam begleitet und dokumentiert. Britta Lutz, Mitorganisatorin, Kursleiterin und Lehrerin an der Grundschule Kluftern freut sich darauf, mit den Häfler Jugendlichen ein Erlebnistheater dezent, aber dennoch bewusst, in den Alltag bringen zu können. Man darf sich also am morgigen Freitagvormittag im C&A an der Rolltreppe, am Molenturm, im Parkhaus, dem Zeppelin-Museum oder auf den Straßen und Plätzen von einem unvermuteten Picknick, tanzenden Gestalten oder anderen Begebenheiten überraschen lassen.

Bereits fest verankert im Ablauf der Theatertage und zur guten Tradition geworden ist die Austragung des "European Theatre Adventures", das mit EU-Mitteln gefördert wird. Bis zum 2. April arbeiten Jugendliche aus zehn europäischen Ländern an einem gemeinsamen Tanz- und Theaterprojekt mit dem schwierigen Titel "Theater bewegt: Wurzeln - kyki - gyökerek - korzen - saknys - roots". Projektleiter Jonathan Mack betont, im Unterschied zu den vergangenen beiden Jahren, in denen die Zielsetzung auf der Begegnung der Jugendlichen mit Sinti und Roma aus verschiedenen Ländern stand, wolle man das Spektrum in der dritten Auflage noch erweitern. So kommen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bereits mit Theatererfahrung und bauen darauf auf. Integriert sind im Theaterprogramm zwei Jugendtheater aus Polen und Litauen und zwei Sinti/Roma-Theater aus Berlin und Budapest, deren Akteure im "European Theatre Adventure" ebenfalls mitwirken. In den zehn Tagen, die die Jugendlichen gemeinsam verbringen, wollen die Initiatoren nicht nur auf eine Präsentation ihres Schaffens am Samstag, 31. März um 12 Uhr hinarbeiten, sondern auch den Bogen in die Zukunft spannen. Die prozessorientierte Arbeit der Theatertage soll in Sommer in Ungarn und zum Jahresende in Polen fortgeführt werden.