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Spannung vor den TheatertagenSamstag, 21. März '09

Die „Theatertage am See“ werfen ihre Schatten voraus. Im Bild von links: Wolfgang Götz vom Organisationsteam, Gerhard Schöll, Rektor der Bodensee-Schule Sankt Martin, Jeanette, Isabelle und Eva als drei Pippi Langstrumpf-Figuren und Jürgen Mack, Erster Vorsitzender des Fördervereins. Bild: Bagehorn
Spannung ist ein unglaubliches Kriterium“, äußert Jürgen Mack, Erster Vorsitzender des Fördervereins der Theatertage am See. „Die Spannung beschreibt den ersten Moment eines Theaterbesuches. Entweder ein Zuschauer ist hingerissen von einem Bühnenstück oder nicht. Zwischentöne, ein Stück zu beurteilen entwickeln sich erst später.“ Grund genug, „Spannung?!!!“ als Motto über die 25. Theatertage am See zu stellen. Das Fragezeichen und die drei Ausrufezeichen hinter dem Wort auf den Flyern, Postern und Programmheften sollen wohl zusätzliche Aufmerksamkeit erregen. Dabei hat das Programm der Theatertage, immerhin Europas größtes alljährlich stattfindendes Amateurtheaterfestival, Effekthascherei gar nicht nötig. Vom 1. bis zum 5. April geben sich in der Bodensee-Schule St. Martin wieder allerhand interessante Amateurtheatergruppen ein Stelldichein.
Mehrere Schwerpunkte bietet das diesjährige Theaterprogramm mit insgesamt 16 Aufführungen. Wolfgang Götz vom Organisationsteam drückt es so aus: „Wir haben ein paar neue Fässer aufgemacht.“
Ein Fixpunkt ist dabei zum Beispiel die deutsche Vergangenheit. Das Kommunale Kontakttheater aus Stuttgart bringt in „Die Weiße Rose“ die Geschichte der Geschwister Scholl auf die Bühne, das Tempus-fugit-Jugendtheater Lörrach spielt Ödon von Horvaths „Jugend ohne Gott“ und die Lize Theater AG Sigmaringen interpretiert, das jüngst verfilmte „Die Welle“ von Morton Rhue. Außerhalb des Wettbewerbs läuft „Stauffenbergs Schwur“ vom Theater Lindenhof aus Melchingen.
Ein zweiter Schwerpunkt werden Stücke sein, in denen die Identitätsfindung junger Menschen im Mittelpunkt steht. Drei Produktionen mit Schauspielern aus unterschiedlichen Herkunftsländern sind zu Gast – Das Theater der Migranten aus Berlin präsentiert die „Oppelner Straße“ unter der Leitung von Regisseur Olek Witt, dem mehrfachen Preisträger der Theatertage. Das deutsch-türkische Theaterprojekt Langenau thematisiert in „Zeynep“ das Tabuthema Ehrenmord und die multikulturelle Theatergruppe die Fremden aus Wien stellt in „Das Tonnenkind“ das Leben einer 20-jährigen Frau auf der Suche nach ihrer Identität dar. Die Gruppe „PRÒG“ aus Polen behandelt im Stück „Sie“ das Schicksal eines unheilbar kranken Mädchens und den spirituellen Prozess, den es durchläuft.
Besonders stolz sind die Macher der Theatertage auch darauf, dass „sukzessive der Nachwuchs an die Bühne herangeführt wird“, freut sich Schuldrektor Gerhard Schöll. Im Jugendvarietee Kraball treffen sich Nachwuchsschauspieler aus dem Raum Friedrichshafen und erarbeiten sich die Fertigkeiten für die Bühne.
Jüngstes Kind der Theatertage am See ist das TOB (Theater – Oberschwaben – Bodensee). In Zusammenarbeit mit dem Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Meckenbeuren entwickelte der Förderverein der Theatertage erfolgreiche Ausbildungsgänge. Aus diesen Kursen rekrutiert sich nun ein neues Ensemble, das sich zur Eröffnung der Theatertage am 1. April erstmals der Öffentlichkeit vorstellt. In „Nur ein Spiel“ wird der allgemeine Casting-Wahn in Deutschland thematisiert. Daran sieht man, dass die Theatertage zwar in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiern, aber dennoch aktuell und brisant sein können.







