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Brahms war ein BarbierSamstag, 31. März '07
Pantomime überwindet Sprachgrenzen. Es ist deshalb kein Wunder, dass einem diese stumme Kunst bei den 23. Theatertagen immer wieder begegnet, sind hier doch acht Theatergruppen aus fremdsprachigen europäischen Ländern zu Gast, die von ihrem Publikum verstanden werden wollen. Eine von ihnen ist das "Mime Studio Alba" aus Bulgarien, die sich in ihrem Programm "No words" eine der Wurzeln der Pantomime, die Zirkuswelt, bewahrt haben: Recht clownesk sind die Darbietungen, und im Ganzen handelt es sich mehr um eine lose Szenenfolge als um jenes stumme Theaterstück rund um die Liebe, von dem die Ankündigung spricht. Doch auch wenn man gelegentlich den Zusammenhang und ausgestaltete Übergänge zwischen den teils abrupt wechselnden Szenen vermisst - am Können von "No words" alias Hristo Kanchev und Yana Angelova gibt es nichts auszusetzen. Kanchev verfügt über eine außerordentliche Mimik: Blanke Wut steht ihm ins Gesicht geschrieben, wenn es gilt, ein schreiendes (virtuelles) Baby zu hüten, doch ebenso vollendet wird er zum bedauernswerten Tropf, wenn es nicht gelingt, die Dame seines Herzens zu bezaubern.
Weniger Slapstick altbewährter Sorte hätte dem Programm allerdings gut getan, und auch was die Ausarbeitung fesselnder Charaktere angeht, schöpft "No words" die Möglichkeiten nicht aus. Die Schwächen im Handlungaufbau erklären sich damit, dass man sich zu sehr auf pantomimische Einzelszenen verlässt. Sie bestimmen die Gestalt des Ganzen - nicht das Ganze die Details. Das ändert aber nichts an der Vergnüglichkeit dieser Situationen. Da ist etwa der schwebende Luftballon, der zugleich wie in Beton eingegossen ist. Egal, wie man an ihm drückt und schiebt, er rührt sich nicht von der Stelle. Gelungen auch das Tanzduett zwischen den Liebenden: Durch würgende Leidenschaftlichkeit kommt es einem "Tango Mortale" gefährlich nahe. Sehr gut ist das Zusammenspiel zwischen Schauspiel und Musik. War Brahms Barbier? Man könnte es meinen, denn die Bögen der Streicher vom Tonband fliegen im selben Tempo über die Saiten wie das unsichtbare Rasiermesser über das Kinn von Hristo Kanchev.







