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Mit Goethe und Schiller im WeinkellerDienstag, 12. April '11
Mit „Mensch, Goethe“ präsentierte das „Generationstheater Zeitsprung“ am Samstag ein humorvolles und interessantes Stück über den großen Dichter bei den Theatertagen.
Goethe war keineswegs nur irgendein alter Dichter – das zeigt das Stück „Mensch, Goethe“, das die Autorin Beata Beier zusammen mit dem Generationentheater Zeitsprung unter der Leitung von Helga Kröplin geschrieben hat.
Das 14-köpfige Team im Alter von 11 bis 86 Jahren überzeugte am Samstag bei den Theatertagen in Friedrichshafen durch enorme Präsenz auf der Bühne und trotz der lockeren Atmosphäre durch hochprofessionelles Auftreten.
Wach und klar spielte Frederic Petersen den Wissenschaftler Gregor Bent, während Sabine Wolf als Mephisto großartig das schelmische Böse verkörperte. Gemütlich, lebensfroh und warmherzig wirkte Heinrich Sturm als Goethe.
Der verstorbene Dichter langweilt sich nach 200 Jahren im Himmel und möchte endlich wieder den Lauf der Welt mitbestimmen. Mephisto überzeugt schließlich wie in Goethes „Faust“ Gott davon, den alten Goethe und den jungen Genforscher Gregor Bent zusammenzubringen, um sich dessen Seele zu sichern.
So trifft Gregor Bent, der gerade mit seiner Freundin Julia das Geburtshaus des großen Dichters in Weimar besichtigt, auf einmal Goethe persönlich und lässt sich von ihm durch dessen Welt führen. Damit wird aus einem scheinbar langweiligen Dichter ein lebensfroher Freund, Geliebter und Ehemann. In Goethes Lieblingsweinkeller lassen sie zusammen mit Schiller neben jeder Menge Wein auch ihre philosophischen Gedanken fließen. Sie diskutieren über das Leben, ihre Visionen und über Freiheit.
Ganz wie bei „Faust“ verführt Mephisto nun den jungen Bent, indem er versucht, ihn mit der Macht des „ewig Weiblichen“ im Freudenhaus und mit dem Versprechen von Macht und Einfluss auf seine Seite zu ziehen. Gregor , der durch seine Arbeit als Genforscher das Hungerproblem lösen, Krankheiten und sogar den Tod überwinden möchte, lässt sich bei dem Gedanken an Ruhm und Erfolg schnell von Mephisto verführen.
Währenddessen findet sich Bents Freundin Julia bei den Damen am Adelshof wieder. Dort schwärmen die Damen, unter ihnen auch Goethes geheime Liebe Charlotte von Stein, von Goethes Liebesbriefen und Gedichten. Auf amüsante Weise spielen die Schauspielerinnen auf den Verhaltenskodex einer Dame von damals an, für die beispielsweise das Tragen einer Hose unmöglich war.
Der von dem Verlangen nach Erfolg getriebene Bent befindet sich mittlerweile in einem gefühllosen Arbeitswahn und vernachlässigt dabei sogar seine Liebesbeziehung zu Julia, die den plötzlichen Sinneswandel ihres Geliebten nicht nachvollziehen kann. Wie in der „Hexenküche“ bei „Faust“ wird nun Bent in seinen Träumen von Hexen heimgesucht, die ihn beinahe um den Verstand bringen.
Am Ende steht Bent vor der Entscheidung, durch die Hilfe von Mephisto selbst Gott zu spielen und in der Genforschung Ruhm und Ehre zu ernten, oder seine Beziehung zu Julia zu retten und ein von Gott behütetes Leben zu führen. Somit beleuchtet die Gruppe in ihrem Stück letztendlich auch kritisch die Differenz zwischen moderner Wissenschaft und Ethik.







