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Das Orchester des LebensMontag, 02. April '07
Es ist dunkel. Stockdunkel. Zwei Gestalten liegen am Boden. Ein großes Tuch weht durch den Saal. Peu à peu wird aus imaginären Fäden ein Netz gesponnen. Vielleicht löst sich aber auch ein vorhandenes Netz in seine Einzelteile auf. Die Musik ist besinnlich. Dann kommt der Aggressor, man hört harte Trommelschläge, die Gleichförmigkeit des Kampfes gibt den Taktschlag vor. Die Sprache ist fremd, die Worte sind wütend und verzweifelt, anklagend und vorwurfsvoll. Flucht, Soldaten, Krieg oder Alltag? Wer weiß das schon.
Das entspannte Zurücklehnen ist nicht möglich, als die Teilnehmer des diesjährigen "European Theatre Adventure" ihre Arbeit präsentieren. Acht Tage hat man im Don-Bosco-Haus zusammen gewohnt, zusammen projektiert, zusammen geübt. Professionelle Theaterpädagogen und Amateure, Sinti, Roma und Jugendliche aus verschiedenen europäischen Ländern haben sich im wahrsten Sinne des Wortes auf ein Abenteuer eingelassen.
Mit dabei war die Gruppe "Helijas" aus Litauen, die Kulturinitiative "Prog" aus Polen, die "Caravan Art Foundation" aus Ungarn und das Berliner "Rroma Aether Klub Theater" aus Berlin. "Theater bewegt" - diese Erkenntnis stand im Vordergrund und die Suche nach den einzelnen Wurzeln, egal ob sie muttersprachlich "kyki", "gyökerek", "korze", "saknys" oder "roots" heißen. Eine leicht verdauliche Kost, sozusagen ein touristisches Drei-Gang-Schmalspurmenü ist nicht daraus entstanden, dafür ein "Learning Process", eine ausdrucksstarke Performance, die von Zuschauern wie Künstlern diskutiert und hinterfragt werden darf und nicht zuletzt genügend Raum für individuellen interpretatorischen Freiraum des Betrachters lässt.
"Warum" rufen die Soldaten. "Warum" fragt sich auch der Zuschauer. Einer nach dem anderen tritt vor und erzählt, es wird gejammert und gestampft, man wirft sich im Gefühl der Ohnmacht auf den Boden. Egal ob im Theater oder Café, das Leben ist facettenreich und immer hektisch. Wen interessiert das Schicksal der Opfer? Schaulustige, die an der Szene teilnahmslos vorübergehen, gibt's mehr als genug. Gut, da ist noch eine Putzfrau, die Mitleid zu haben scheint, aber wer sonst?
Szenenwechsel: Das Leben ist ein Zirkus. Es wird jongliert, es wird getanzt. Es gibt aber auch den Papagei, der geküsst und den Tiger, der gebändigt werden will. Auch das Orchester spielt fleißig, wenn auch mit den falschen Instrumenten.
"Wie kann man solche eine Arbeit in nur acht Tagen entwickeln?", stellt am Schluss Organisator Jonathan Mack als Frage in den Raum. Die Antwort fällt erstaunlich einfach aus. "Mit viel Engagement und mit großem Vertrauen."







