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Der Theaterpädagogischer Ausbildungskurs legt eine atemberaubende Premiere hinSamstag, 04. Juli '09
Eine Schiffsreise von 1000 Seemeilen, von Volos (Griechenland) nach Poti (Georgien) und zurück, bei subtropischen Tempe-raturen. Diese Reise unternahmen in mythischer Zeit die Argonauten; die Städte hießen damals Iolkos und Kolchis. Diese Geschichte haben Jürgen Mack, Nicole Pengler und Pia André (Tanz) zum Projekt des Theaterpädagogischen Ausbildungs-kurses gemacht. War diese Adaption schon ein respektabler Haufen Arbeit, so gelang die Umsetzung am „Gleis 1“ in Meckenbeuren atemberaubend.

Immer in Aktion: Die Referendarinnen und Referendare setzten die Sage der Argonauten fesselnd um. Foto: Bib
Der vom jüngeren Bruder verdrängte Königssohn Iason kehrt zurück und fordert das ihm zustehende Königtum. Arglistig schickt ihn der Vater auf eine Bewährungsprobe: Er soll das Goldene Vlies weit hinten am Kaukasus holen. Die Dardanellen (damals: Hellespont) zu durchfahren, war allerdings noch keinem Schiff gelungen. Arglos sammelt Iason die glänzendsten Mannen um sich und besteigt die Argo, von Athene erbaut. Hera und Aphrodite gewähren ebenfalls göttlichen Beistand. Die Meerenge wird bezwungen, alle Prüfungen bestanden, zuletzt mit Medeas Hilfe das Widderfell errungen. Mit Medea samt zwei Freundinnen an Bord kehren sie zurück. Das ungute Ende mit der Flucht nach Korinth und Medeas eigentlicher Tragik wird am Ende nur als Ausblick gegeben.
In welch kurzer Probenzeit die knapp 20 Referendarinnen und Referendare den Entwurf zum Drama umgewandelt haben, ist nicht zu glauben. Denn von der ersten bis zur letzten Sekunde war jeder einzelne Akteur in Hochspannung präsent.
Sie brachten ein nicht textlastiges Bewegungstheater – Tanztheater, das in betrüblicher Aktualität durchaus an die soeben gestorbene Pina Bausch erinnerte. Womöglich noch besser als bisher gewohnt arbeiteten Dramaturgie und Choreographie Hand in Hand und durch die überdurchschnittlich engagierten und begabten Darsteller gelang ein Bühnenwerk aus einem Guss. Auch Licht und Ton fügten sich perfekt in dieses Gesamtkunstwerk.
Kein Zuschauer wagte einen Szenenapplaus, sooft er auch angebracht gewesen wäre. Zu eindrucksvoll war die ständige Spannung im Saal, in dessen Zentrum Zimmermann Max Abels einen mächtigen Schiffsrumpf mit symbolischer Takelage aufgebaut hatte.
Noch während die letzten Besucher sich ihre Plätze suchten, eilten die Schauspieler hin und her, Bühne, Boot und drumherum war ihr Aktionsfeld. Immer wieder erstarrten sie zu neuen, wunderschönen Gruppenbildern, bis es „richtig“ losging.
Ausnahmslos jeder gab Anlass zum Staunen durch ungeheure Präsenz. Als besonderes Beispiel seien die Göttinnen genannt, die über lange Strecken „nur“ auf ihren Galerieplätzen saßen und „nichts zu tun“ hatten. Doch wie sie da saßen! Allzeit aufmerksam am Geschehen teilhabend, kerzengrade sitzend.
Manche Reverenz an die Neuzeit hätte leicht ins Lächerlich-Unpassende entgleiten können, etwa wenn Orpheus „Blowing in the Wind“ anstimmt oder „We will rock you“. Doch auch dies war ganz und gar stimmig.
Besonders überzeugend gelangen alle Kampfszenen als kraftvolle Kontaktimprovisationen, ebenso wie der Pas de Deux von Medea und Iason oder die wilden Angriffe der Harpyen mit beängstigend geschwungenen Flügeln. Ausgesprochen einfallsreich waren auch Requisiten und vor allem Kostüme. So trugen die Drachendarsteller grell gelbe und grüne Strumpfhosen an Beinen und Händen.
Nein, es ist kaum fassbar, dass diese jungen Lehrer alle Amateure sind. Es ist zu hoffen, dass wenigstens einige von ihnen an den Schulen Gelegenheit haben, dort Theaterarbeit zu leisten.







