Theatertage am See - Festival des internationalen Amateurtheaters
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Geschichten aufbauen und sie dann erzählenFriday, 07. April '06

Category: 2006, Projekte

By: Schwarzwälder Bote

Balingen-Dürrwangen. Sie kommen aus Deutschland, Albanien, Bulgarien, Rumänien, Serbien und Spanien nach Dürrwangen: Begegnung und Theater stehen auf ihrem Plan. Etwa zwei Drittel sind Sinti und Roma. Sie bereiten sich auf Theateraufführungen vor.

"Passend ist es, dass es hier im Haus der Volkskunst auch um Heimat geht", findet Jonathan Mack. Denn sein Projekt einer Internationalen Theaterjugendbegegnung mit Sinti und Roma "Lacho drom - An European Theatre Adventure" ist mit "Wo ist Heimat?" überschrieben. Sie findet bereits zum zweiten Mal im Rahmen der "Theatertage am See" statt.

"Lacho drom bedeutet in der Sprache der Roma der gute Weg", erklärt der 22-jährige Mack, Initiator und Projektkoordinator. 45 junge Leute zwischen 18 und 25 haben sich Dürrwangen zur temporären Heimstatt auserkoren. "Eigentlich waren es 56, doch es gab Visa-Probleme", bedauert Mack. Aus einem Raum erklingt Trommelgetöse, aus dem anderen sind fröhliche Stimmen und zarte, doch sehr virtuose Geigenklänge zu hören. Lachend drehen sich zwei Geiger um ein traurig aussehendes Mädchen. Ein Tanzpaar flirtet. Die Menge ringsum klatscht laut in die Hände - plötzlich finden sich alle in einer Art Polonaise wieder.

Auf Englisch erklärt Andor Timar aus Ungarn, der die künstlerische Leitung übernommen hat, auf was er besonders Wert legt: "Konzentration. Erst wenn sie zuhören, können sie sich selbst und andere entdecken. Und erst dann können wir Geschichten aufbauen und sie erzählen."

Leila Adjemi, Flamenco-Lehrerin aus Tübingen, konzentriert sich in ihrer Arbeit vor allem auf Körpersprache. Sie lässt die Jugendlichen für guten Bodenkontakt etwa mit den Füßen stampfen. "Es geht um die Frage: Wo ist meine Heimat, mein Platz? Heimat ist nicht nur abhängig von einem äußeren Ort, sondern auch ein innerer Raum." Diese Erfahrung werde dann in eigenen Körperworten dargestellt. Das sei mitunter auch "fürchterlich traurig". Denn die Teilnehmer können viel über Vorurteile und Diskriminierung erzählen. "Doch entweder wir weinen die ganze Zeit, oder wir fragen uns, was wir jetzt tun können", sagt Leila Adjemi sanft-resolut. Denn es geht hier auch um einen sozialen Prozess: Die Jugendlichen sollen mit verändertem Wissen in ihre Länder zurückkehren. "Es geht nicht nur um Kunst, sondern auch darum, sich zu öffnen, Austausch zuzulassen."