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"Das Puppenhaus" - Companie Paradox gibt Romeo und JuliaWednesday, 12. April '06
FISCHBACH - Mit "Puppenhaus", einer modernen Adaption des Shakespeare-Klassikers "Romeo und Julia", hat die Companie Paradox aus Ravensburg am Sonntag bei den Theatertagen am See überzeugt. Zwölf Mitarbeiter und Beschäftigte der Weißenauer Werkstätten haben das Stück erarbeitet und zeigten ihre Version des Bühnenklassikers.

Julias Mutter (Gabriele Hamm, links), Romeo (Klaus Weishaar) und Julias Vater (Jürgen Frick, rechts) beugen sich fassungslos über die tote Julia ( Reiner Boecker). Foto: Weißhaupt
"Was ihr jetzt seht ist was total Verrücktes!" Mit diesen Worten begrüßt Johann Fessler das Publikum. In seiner Rolle als Hausmeister schaltet er erst einmal das Licht an und rückt die Kulisse zurecht. Zuvor war nicht viel passiert auf der Bühne. Außer einem hell erleuchteten Puppenhaus in der Ecke herrschte Finsternis.
Eine verrückte Geschichte
Verrückt - das ist die Geschichte von Romeo und Julia irgendwie schon. Zwei Menschen verlieben sich, alles spricht gegen diese Liebe und schließlich endet alles in einer Tragödie. Darin unterscheidet sich das "Puppenhaus" nicht von Shakespeares Vorbild: Julia kommt aus der Nordstadt aus besserem Hause, Romeo lebt in der Südstadt und muss mit einem trinkenden Vater zurecht kommen. Und auch sonst könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Während Julia sich auf dem Tennisplatz vergnügt, arbeitet Romeo in einer Werkstatt für Behinderte. Dennoch kommt es wie es kommen muss, die beiden treffen und verlieben sich. "Wir lassen uns niemals mit einem Südstädter ein, der hat doch nichts", versucht Julias Vater der Sache ein Ende zu setzen. "Doch er hat Herz!" Damit ist für Julia die Sache entschieden und die Tragödie nimmt ihren Lauf.
"Jeder hat von sich gegeben, was er wollte.", erklärt Ana Schlaegel vom Theater Ravensburg die Entstehung des Stückes. In einer Art Brainstorming seien die Ideen und Vorstellungen der Darsteller gesammelt worden. Die Schauspielerin und der Theaterpädagoge Walter Koch haben dann nur noch sortiert und geformt. Das Zentrum für Psychiatrie Weißenau war auf die beiden zugekommen, um einen neuen Weg im Umgang mit psychisch kranken Menschen zu gehen. Viel Autobiographisches der Darsteller sei nun im Stück zu finden, so Schlaegel. Rund um die Liebesgeschichte spinnen sich so die Lebensgeschichten von Eltern und Verwandten der beiden Hauptfiguren. Arbeitslosigkeit, Alkohol, Entfremdung sind Themen, die da auf den Tisch kommen. Gesellschaftskritisches klingt an und wird überzeugend in Szene gesetzt.
Doch auch Nebenhandlungen können die Tragödie nicht aufhalten. Beim Versuch, Romeo zu erstechen, tötet Julias Vater schließlich seine eigene Tochter. Fassungslos und verzweifelt bricht es aus Julias Mutter heraus: "Ist das der Wahnsinn?" "Nein, das ist normal", entgegnet Hausmeister Jürgen Fessler und knipst das Licht aus.







