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Zelle als Mitte der GesellschaftTuesday, 07. April '09
Das Zweipersonenstück „Der Kuss der Spinnenfrau“ zählte sicher zu den Höhepunkten der diesjährigen Theatertage am See in der Bodensee-Schule St. Martin. Fritz Humer und Alexander Kuchar vom österreichischen Theater „Perpetuum“ aus St. Pölten brachten Manuel Puigs Roman beim Festival auf die Bühne. Die Geschichte der zwei Häftlinge, die in einer Gefängniszelle in Südamerika ihr Dasein fristen, wurde auch schon von Hollywood prominent verfilmt.
Luis Alberto Molina und Valentin Arregui sitzen eingepfercht in einer Zelle. Beiden bleiben nur die zwei Pritschen zum Schlafen und ihre Hoffnung auf die Freiheit. Während der homosexuelle Molina wegen Verführung von Minderjährigen einsitzt und sich keine Gedanken über die Autoritäten und Ideologien seiner Zeit macht, sitzt Arregui wegen seiner politischen Einstellung hinter Gittern. So erklärt der Weltverbesserer und linke Träumer Arregui: „Ich bin kein Angeber, der in einer Bar polemisiert. Der beste Beweis ist, dass ich hier bin.“ Genau das soll Arregui jedoch zum Verhängnis werden. Die Militärmacht, die die beiden Häftlinge in die Zelle gesperrt hat, setzt Molina auf Arregui an, um durch ihn an Informationen über dessen politische Freunde zu kommen.
Beeindruckend spielten Fritz Humer und Alexander Kuchar die beiden Gefangenen. Ihnen gelang es, den Figuren eine große Intensität und Intimität zu verleihen. Die zarten Gefühlsbande, die sich zwischen den beiden Protagonisten langsam entwickeln, nahmen auch die Zuschauer gefangen. Die innere Zerrissenheit, die Molina befällt, sich zwischen seiner Liebe zu Arregui und den Zwängen der durch die mächtige Militärmacht verordneten Spitzeltätigkeit zu entscheiden, ist glaubhaft dargestellt. Auch die tragische Komik, die manchen Szenen innewohnt, unterhielt das Publikum ausgezeichnet. Den Regisseurinnen Susanne Denk und Karina Kaiblinger gelang ein intimes Kammerstück. Die Wechsel der Tageszeiten und Stimmungen durch den variierenden Einsatz der Scheinwerfer zu erzeugen, die das Licht auf die Bühne werfen, war ein gutes, klassisches Mittel des Theaterhandwerks.
Die Parabel aus der Zeit der Militärdiktaturen in Südamerika passte zu den Theatertagen am See. Viele Stücke drehten sich in diesem Jahr um die Vergangenheitsbewältigung und innere Auflehnung gegen politische Autoritäten und Mächte. „Der Kuss der Spinnenfrau“ ragte durch seine Stimmigkeit bis ins kleinste Detail heraus. Von der ersten bis zur letzten Minute des Stücks waren die Zuschauer gefesselt. Diese Gefängniszelle war für einen Abend der Mittelpunkt der (Theater)Welt am See.








