Theatertage am See - Festival des internationalen Amateurtheaters
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Nicht wenige Verlierer sind GewinnerMonday, 17. March '08

Category: 2008, Theaterprogramm, Festival

By: Schwäbische Zeitung

FRIEDRICHSHAFEN (lys) Die "Verlierer", Thema der Theatertage 2008, haben die Bühne verlassen und die "Spannung" hat im kommenden Jahr ihren Auftritt. Das Thema der "Loser"erwies sich in der Friedrichshafener Bodensee-Schule als vielschichtig und wandelbar.

Nicht wenige Verlierer sind als Gewinner von der Bühne gegangen, auch wenn sie keinen Preis in der Hand hielten. Das Programm war abwechslungsreich und hat gezeigt, dass Tragik in Komik umschlagen kann, und dass das Komische oft Tragisches enthält. Sowohl die Teilnehmer der Schul- und Jugendtheater als auch die Amateure boten ein anspruchsvolles Schauspiel - nah am Thema.

Eindrucksvoll das Seniorentheater Martholomei's aus Brixen. In "Das Leben und Punkt" ging es um Gefühle und Gedanken verschiedener Bewohner eines Altenheims. Das Ensemble bestand ausschließlich aus Senioren. Ab 58 Jahren aufwärts, zeigten die Darsteller, dass sie bei Weitem nicht zum alten Eisen zählen. Das Stück erinnerte an Schokolade, Geschmacksrichtung Zartbitter. Es schmolz zart vor sich hin, ohne ins Triviale abzudriften, enthielt eine gehörige Portion Komik und in manchen Passagen kamen bittere Wahrheiten an den Tag. Der Zuschauer schwankte zwischen breitem Lachen und stummer Betroffenheit.

In der Eigenproduktion der Amateure wurden Klischees unter die Lupe genommen, bestätigt oder auch ad absurdum geführt. Von der fleischfarbene Bettjäckchen tragenden Bewohnerin bis hin zur grantelnden Alten, die nichts unkommentiert ließ, dem Charmeur, dem Besserwisser, der Dame mit Alzheimer im Anfangsstadium oder der "Grand Dame" im Nerzkragen - jeder kam hier zu Wort. Gehässigkeiten wurden ausgetauscht, aber auch Liebe hatte ihren Platz, und Jury-Mitglied Christoph Daigl kommentierte: "Das Stück enthält die beste Sex-Szene, die ich je auf einer Bühne gesehen habe." Das Pärchen traf sich am See, damit im Heim niemand etwas mitbekommt, tauschte ein süßes Stückchen Schokolade aus und atmete dabei schwer. Eine zarte, genussvolle Szene mit einer gehörigen Portion Charme. Es gab viel zu erzählen, wenn Zwangsgemeinschaften entstanden. Von denen, die dort freiwillig lebten und von den "Abgeschobenen", die von ihren Familien vergessen wurden. Schräg und schrill - bitte mehr davon.