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Newsblog der Theatertage am See

Seminarkurs bringt packenden „Oliver Twist“ auf die BühneMonday, 11. July '11

Category: pedagogical training for theatre, theater days, Theaterpäd. Ausbildung

By: Schwäbische Zeitung

Meckenbeuren / hv Am Ende steht Oliver Twist ganz vorne an der weit in den Zuschauerraum hineinreichenden Rampe. Der Reine ist befreit, ist dem Armen- und Unterweltmilieu entkommen, während ein Verbrecher, von den Toten umgeben, wahnsinnig vor Angst seiner Hinrichtung entgegenzittert. Anders als im Roman wird bei der Eigenproduktion des 10. Theaterpädagogischen Ausbildungskurses am Seminar für Did

Der gewalttätige Fagin (Tobias Osterried) hat Oliver (Jochen Stuppi) wieder in seinen Fängen, vergeblich setzt sich Nancy (Sarah Walker) für den am Boden liegenden Jungen ein. (Foto: Helmut Voith)

Wieder einmal hat das bewährte Team unter der Gesamtleitung von Jürgen Mack herausragendes Theater geboten. Mit 48 Teilnehmern - Referendaren und Lehrkräften aller Schularten, Freiberuflern und Angestellten – war der zehnte Seminarkurs so stark wie noch nie. Jürgen Mack hat die Herausforderung angenommen, zusammen mit den Choreografinnen Pia und Fé André und Dramaturgin Nicole Pengler hat er das zusammengewürfelte Ensemble zusammengeschweißt und in der Aufführung am Kursende zu Höchstleistungen an Spieltechnik und Körpereinsatz gebracht.

Mack hat auf das Märchen um Olivers Herkunft verzichtet und allein die soziale Komponente des weltberühmten Romans herausgearbeitet. Ein Stück in starken Bildern, die in zwingender Stringenz aufeinander folgen. Oben auf der Hauptbühne tummelt sich zwischen drehbaren Wänden die schlechte Gesellschaft der Diebe und Prostituierten, gelegentlich agiert auf der linken Hälfte die gute reiche Oberschicht. Der lange Steg, der weit in den Zuschauerraum hineinführt, dient den Szenen, in denen das Wort gegenüber dem Geschehen dominiert. Raffiniert die Drehbühne direkt vor den ansteigenden Zuschauerreihen – entstanden aus dem Mühlrad aus dem „Krabat“ vom Vorjahr. Hier lässt sich die feine wie die unfeine Gesellschaft präsentieren wie für die Reporter einer Klatschkolumne, hautnah – der Zuschauer gehört quasi mit dazu. Es versteht sich von selbst, dass die Akteure den ganzen Raum bespielen, dass sie bisweilen auch in atemberaubendem Tempo durch die schmalen Gänge zu beiden Seiten der Tribüne nach vorne stürmen, dass sie sich durchmischen – wie sonst könnten die Taschendiebe ihr Gewerbe ausüben. Theater von allen Seiten und mit allen Mitteln: In der bewährten temperamentvollen Choreografie von Pia und Fé André wird lebensecht geprügelt und ausgelassen getanzt, dazu kommt von der Seite atmosphärische Live-Musik. Musik, Gesang, Tanz und Sprechtheater, Bühnenbild und Kostüme werden zur gelungenen Einheit. Schließlich sollen die künftigen Theatergruppenleiter die verschiedenen Möglichkeiten durch eigenes Tun kennenlernen. Auch wenn die Zuschauer durch die gelegentlich eingesetzten verfremdenden Mittel ständig wissen, dass sie im Theater sitzen, zieht sie das spannende Geschehen in ausgefeiltem Spiel schnell in seinen Bann, gebannt verfolgt man die oft recht drastischen sozialkritischen Szenen. Stellvertretend für die durchweg sehr gut besetzten Rollen seien Jochen Stuppi als braver Oliver, Sarah Walker als sprühende Nancy und Horst Kirschner als brutaler Sikes samt seinen beiden knurrenden Kötern (Almut Stöckl und Linda Peter) genannt.