Theatertage am See - Festival des internationalen Amateurtheaters
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Lacho drom

Lacho drom - Kehre, gai hi gowa? (Der gute Weg oder: wo die Heimat ist)

ist eine internationale Jugendbegegnung über die Sinti- und Romakultur vor dem Hintergrund eines immer näher zusammenwachsenden Europas. Dieses neue Projekt „ Lacho drom“ bedeutet in der Sprache der Roma „der gute Weg“ und „Kehre, gai hi gowa“ fragt nach der Heimat. Der Titel bezieht sich auf einen Film von Tony Gatlif, indem den musikalischen Spuren der Sinti und Roma auf ihrem jahrhundertelangen Migrationszug von Indien bis Spanien nachgegangen wird.

Dieser Weg war auch eine Suche nach Heimat und wenn wir die heutigen Lebensbedingungen der Sinti und Roma in den Ländern Europas betrachten, ist die Frage nach ihrer „Heimat“ spannend. Ist ihre „Heimat“ dort, wo sie wohnen oder sind sie nicht weit mehr in ihrer Kultur und ihrer Familie zu Hause? Und wie unterschiedlich ist die Heimatvorstellung von gleichaltrigen Nichtroma. Was entsteht, wenn junge Sinti- und Roma mit anderen europäischen Jugendlichen ein gemeinsames Projekt machen? Die jungen Leute zwischen 17 und 25 kommen aus Bulgarien, Rumänien, Deutschland, Spanien, Albanien, Mazedonien und Serbien. Jede Gruppe reist an mit Roma und Nichtroma, im Grunde treffen nicht nur 14 europäische Kulturen zusammen, die Einbeziehung der Balkanländer erweitert die Absicht Integrationsprozesse, also des sozialen Friedens zu fördern, um die Aspekte einer friedvollen Verständigung vor dem Hintergrund eines eben erst beendeten Bürgerkrieges und den immer noch schwelenden Konflikten. Die Perspektive auf die Kultur der Sinti und Roma, die auf allen Seiten dabei zu den Opfern und Verlierern gehörten sehen wir als eine Chance für die Verständigung über nationale Barrieren hinweg.

Was geschieht wenn knapp 60 Jugendliche aus verschiedenen europäischen Ländern, mit verschiedenen kulturellen Hintergründen, sich mit den universellen Sprachen des Theaterspielens, der Musik und des Tanzes verständigen, haben wir im letzten Jahr beim ersten European Theatre Adventure gesehen. Daran wollen wir anknüpfen und nach Berührungspunkten zwischen dem spanischen Flamenco, dem Wiener Walzer, dem deutschem Sinti- Jazz und der orientalisch beeinflussten Sintimusik Osteuropas suchen? Welcher Verdienst gebührt den Sinti und Roma für ihre Bereicherung der eurasischen Kulturen bei ihrer Suche nach einer neuen Heimat? Und welche Möglichkeiten und Geschichten können daraus für das Theater erwachsen?

Es soll die Vielfalt der Kultur und Identität der Roma mittels Theater, Musik und Tanz entdeckt werden. Musik ist dabei das nahezu einzige kulturelle Feld, das den Roma Akzeptanz und Anerkennung verschafft hat. Kann aus kultureller Wertschätzung „Heimat“ entstehen für Menschen, denen es überall schwer gemacht wird, sich zuhause zu fühlen? Welche Wege können beschritten werden, um Unterschiedlichkeiten zu Qualitätsmerkmalen von „Heimat“ werden lassen zu können. Es soll in diesem Projekt auch auf die Situation von Sinti und Roma in den beteiligten Ländern eingegangen werden, um den Blick für das eigene Verhalten und Eigeninitiative gegen Diskriminierung und für eine multikulturelle Gesellschaft zu schärfen. Integration ist ein wechselseitiger Prozess, der Rückzug in die eigene Kultur taugt nicht zur Überwindung von Vorurteilen und Ausgrenzung. Deshalb soll den jungen Roma ein Forum angeboten werden, auf dem sie Integration auch als eine eigenverantwortliche, aktive Aufgabe begreifen. Hauptziele des Projekts sind intensives Aufeinandertreffen, Zusammenarbeiten, Zusammenleben und Feiern mit Anderen im Rahmen des Jugendaustausches zu erleben und dies einzubetten in die Atmosphäre des größten europäischen Amateurtheaterfestivals.